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volker

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Donnerstag, 21. Mai 2015, 18:23

Falten als Kunst

Es gab hier mal eine sehr interessante, von Warigami angestossene, Diskussion ueber Falten als Kunst. Ich finde die aber nirgends mehr. Liegt vermutlich an mir. Im Zusammenhang mit dieser Diskussion bin ich damals auf den Kuenstler Peter Weber gestossen, der u.a. in Waldenbuch bei Ritter und im Museum fuer Konkrete Kunst in Ingolstadt ausgestellt hat (mit anderen Faltkuenstlern zusammen). Diese Ausstellung von Ingolstadt wird jetzt in Freiburg gezeigt. Ich fahre am Pfingstsamstag dahin und schaue sie mir an:
http://kunstraum-alexander-buerkle.de/de…st-der-faltung/

gachepapier

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2

Donnerstag, 21. Mai 2015, 18:37

Hier war das - bin auf Deinen Bericht ganz gespannt ;)

volker

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3

Donnerstag, 21. Mai 2015, 18:55

Ja, gachepapier, ich werde berichten. Aber was heisst: hier war das, das ist fuer mich so, als wenn ich zu meiner Frau sage: Wo bist Du? Und die sagt : Hier. Dann weiss ich auch nicht, wo sie ist. (Musst bedenken, ich bin im vorgerueckten Alter)

gachepapier

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4

Donnerstag, 21. Mai 2015, 19:59

Du musst auf den Link clicken - den hab ich einfach mit "hier war das" beschriftet; hier im Forum gilt derzeit die Einstellung, dass unterstrichene Texte in dunkelgrau Links darstellen ;). Tut mir leid, wenn das nicht so eindeutig war ! Hilft das ?

volker

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Freitag, 22. Mai 2015, 20:55

Ja, stimmt, Du hattest das hinterlegt. Da haette ich tatsaechlich selbst drauf kommen koennen. Jetzt hab ich das auch sofort angeklickt, alles bestens , ABER ich habe immer noch nicht gesehen -oder vermutlich uebersehen - in welcher Rubrik das damals lief.

volker

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6

Sonntag, 24. Mai 2015, 21:43

Heute war ich in der aeusserst beeindruckenden und interessanten Ausstellung. Morgen werde ich VERSUCHEN, meine Eindruecke und Gedanken zu Papier zu bringen. Mein Faltkollege hat Fotos gemacht. Ich lasse sie mir schicken und hoffe, sie z. T. an Euch weitersenden zu koennen. Was ich nach der Ausstellung noch deutlicher fuehle als vorher ist, Origami, so wie es normalerweise ist, ist keine Kunst, so kunstvoll es auch sein mag. Moeglicherweise, kann es zur Kunst werden, wenn es verformt, Ueberformt, "verfremdet", oder in einen "anderen" Zusammnhang gestellt wird. Ich gehe nicht so weit wie Rainer Caspari, der - so glaube ich mich zu erinnern - von Kunst fordert, dass sie eine Erschuetterung hervorrufen muss, aber ein neues Fenster(chen) zur Welt sollte es schon sein und dazu ist m.E. eine perfekte Origamifigur einfach zu wenig "offen" und zu ein-deutig- denke ICH.

gachepapier

unregistriert

7

Montag, 25. Mai 2015, 12:09

Origami, so wie es normalerweise ist, ist keine Kunst, so kunstvoll es auch sein mag.


Damit kann ich wenig anfangen, wenn Du nicht verrätst, was unter Deinem Kunstbegriff fällt und was nicht. Bin da mal gespannt :) - ich gebe zu, diese zwei Sätze scheinen für mich widersprüchlich - "kunstvoll" und doch keine "Kunst" ?

volker

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Montag, 25. Mai 2015, 13:27

Lieber David(?), gachepapier.
ein wenig von dem, wie ich z. Zt. (das aendert sich ja Gott sei Dank) Kunst verstehe, ist ja in der Fortsetzung des von Dir zitierten Textes zu lesen. Trotzdem, ich moechte da gerne noch tiefer einsteigen, das ist aber schwerer als gestern noch gedacht, nachdem ich jetzt die langen erlaeuternden Texte zur Ausstellung gelesen habe.
Ich fang mal mit den nackten Fakten an:
Es gibt eine SEHR aufwaendigen, aesthetisch SEHR ansprechneden Ausstellungskatalog im Kehrerverlag (Berlin-Heidelberg), kann man googlen. Der Katalog ist bei Amazon und beim Verlag selbst mit 36 Euro angezeigt. In der Ausstellung wird er fuer 20 Euro verkauft.
Die Ausstellung DIEKUNST DER FALTUNG - einknicken oder Kante zeigen?- wird noch bis zum 21. Juni in sehr schoenen, grossen, hohen, gut beleuchteten, weissgetuenchten Raeumen von einem Industriellen, Gewerbetreibenden (?), Alexander Buerkle, im Kunstraum Alexander Buerkle Robert-Bunsen-Straße 5 in Freiburg im Breisgau gezeigt. Oeffnungzeiten: Di.-Fr. und Sonn- und Feiertage 11:00--17:00 Uhr. Eintritt frei.
In der Ausstellung sind nur zwei als (modulare) Origamiobjekte erkennbare Werke von Haegue Yang, geb. 1971 in Soeul (lebt und arbeitet in Berlin und Soeul) zu sehen. Diese Objekte sind absichtlich falsch zusammengesetzt und/oder deformiert, fotografiert und werden in Rahmen gezeigt, sind also (absichtlich) nicht selbst ausgestellt. Dieses Spiel mit tatsaechlichen Objekten und ihren gemalten, gezeichneten oder fotografierten Abbildern zieht sich uebrigens durch die gesamte Ausstellung. Es gibt z. B. eine Kuenstlerin, die verpasst einem weissen Blatt zwei Falten, leuchtet es aus (Schatten), fotografiert es (jetzt ist es flach mit den Schattenbildern), dann faltet sie es genau da, wo frueher das Original gefaltet war (also an den Schattengrenzen) und stellt diese Gebilde als Kunst aus.
So, jetzt esse ich zu Mittag, spaeter mache ich irgndwann weiter.

volker

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Montag, 25. Mai 2015, 16:20

Ja, jetzt mache ich mal weiter. Ich halte es wieder so, dass ich erst mal nur die Tatsachen sprechen lasse und vielleicht das eine oder andere beschreibe:
Den Abbildungen im Katalog sind Ein Vorwort und Essays vorangestellt mit folgenden Titeln:
Vom Falten, Knicken und Knuellen (Simone Schimpf, Julia Galandi-Pascual),
Der Aufstand der Falte. Von der Illusion zur Methode (Kathrin Gut),
Ein Bild von einem Knicki! Vielfalt auf Papier (Amely Deiss),
Die Falte - eine Kulturtat (Fre´de´ric Schwilden)
Nur in den beiden letzten Essays kommt das Wort Origami vor. In dem Essay von Amely Deiss Ein Bild von einem Knicki!, werden einige Werke beschrieben und "gedeutet", darunter die erwaehnten modularen Origamis von Haegue Yang. Dazu heisst es (ich hoffe, ich darf das zitieren, ohne das Urheberrecht zu strapaziern):
"In der Fotoserie Imperfections (in FB werden nur zwei gezeigt V.S) von Haegue Yang stehen Faltobjekte im Zentrum- nicht nur kompositorisch, sondern auch inhaltlich. Vor weissem Hintergrund sind komplexe Orgami-Koerper fotografiert, die Abzuege der Bilder beziehen sich auf die jeweilige Originalgroesse der Objekte. Die einzelnen Sterne, Kugeln und Prismen, in Pastell, in Rot, in Weiss oder Gold sind jedoch, wie der Titel andeutet, unprefekt.Sie weisen Fehler auf, die sich beim Falten ergeben haben muessen - Dellen, Krater, Stauchungen oder zusaetzliche Strahlen und Stacheln. Die geometrischen Objekte, die eigentlich perfekt und regelmaessig sien muessten, haette man eine Faltanleitung ganz genau befolgt, werden zu organischen Gebilden, die sozusagen individuellen Wuchs aufweisen. Durch Yangs Tetelgebung werden die fotografierten Objekte noch weiter belebt. Sie fangen in der Vorstellung an einen Shabby hunchback dance (kursiv geschrieben) zu tanzen, Buchstaben zu formen (Wrinkley-Beak Says O and E, kursiv) oder werden zu Laurel and Hardy on fire (kursiv)
Die Fotografie fungiert hier, im Vergleich zu den Versuchsaufbauten der anderen Kuenstler, eher wie ein Sockel oder eine Vitrine: Die Origami-Objekte, die an sich eher Spiel oder Kunsthandwerk als Kunst im hohen Sinne sind, werden mit der Separierung in einzelnen Fotografien eindeutig in den Kunstkontext ueberfuehrt." Zitat Ende!. (So, jetzt kennt Ihr die Denke der "Offiziellen" und ICH denke: Da ist was dran. Wobei ich - insoweit abweichend von denen - denke, dass viel Origamifaltobjekte nicht der Sphaere des Spiels oder Kunsthandwerks, sondern der Geometrie, Mathematik und/ oder Wissenschaft angehoeren, aber Kunst sind sie m.E. nicht, sondern etwas Annderes, Eigenes. Das wollte ich mal als vorweggenommenen Meinungsbeitrag hier unterbringen, weil es gerade psst.)
Die sehr viel positiverer Passage im letzten Essay von Frederic Schwilden hat folgenden Wortlaut:
"Gleichzeitig wird das Falten stets von einer grossen Betonung der Technik, von Fertigkeit und Kunst begleitet. Aus Japan kennen wir Origami. Oru bedeutet....Das Falten will gelernt und beherrscht werden. Die Kunst dieser Faltung, die Hingabe und Aufopferung, die sie mit sich bringt, ist religioes motiviert. Buddhistische Moenche brachten das Papier.........Es wuerde noch einige Jahre dauern, fast 1000 naemlich, bis die Faltkunst in der Muromachi-Zeit ihren Hoehepunkt errreichte. Aber zurueck zur Religiositaet. Aehnlich wie in Europa war Religion im Land der aufgehenden Sonne immer ein Foerderer und ein Katalysator der Kunst. Kunst war haeufig Opfergabe oder Ehrerweisung. So auch die gefalteten Kunstwerke, die wir heute kennen. Die Kraniche, die Schmetterlinge, die Kirschblueten, sie entstanden aus Opfergaben. Es fing mit der Faltung des Noshi an. Mithilfe der Noshi-Faltung wurden Blumen oder andere Kleinigkeiten in Papier eingewickelt und den Goettern als Opfer an den Tempel gebracht. Und weil das Papier so unvorstellbar kostbar war, war es Opfer und Verpackung zugleich.
Aus dieser goettlichen Unterordnungheraus entstanden weitere Orgamis. Nur und ausschliesslich durch das Falten von Papier koennen also Figuren erzeugt werden. Die Herausforderung liegt in der eigenen Beschraenkung. Es ist eben einfacher zu kleben, zu schneiden, zu schrauben und zu schweissen, um eine Figur zu erschaffen, als sich nur auf das Falten zu beschraenken. Origmi-Figuren sind Monolithen aus Papier mit einem goettlichen Ursprung." Zitat Ende. (Das hat er schoen gesagt, besonders den Schlusssatz. Trotzdem bleibe ich bei meiner Meinung. Ich bin aber vrunsichert, allein schon durch die Verve, mit der das formuliert ist. Seine Ansicht findet aber in der Ausstellungspraxis der Gegenwartskunszene keine Stuetze. Das muessen dann gachepapier und warigami aendern!)

gachepapier

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10

Montag, 25. Mai 2015, 17:15

Danke Volker !

Ich fürchte, ich kann mich mit dem Kunstverständnis, wie er von der Ausstellung hervorgeht, nicht anfreunden, ich brauche etwas objektivere Kriterien. Eine solche Entfremdung, um auf Kunst zu schliessen, halte ich weder für notwendig noch für interessant. Ist das tatsächlich Kunst, so kann man sicher sein, dass ich darauf verzichte, mein Origami damit in Verbindung zu bringen, viel lieber sind mir etwas ältere Vorstellungen der Kunst, mit dem Ursprung in Können und der Absicht z.B. Schönes zu produzieren, ohne das Produktionsverfahren selbst als Teil der Kunst zu sehen (vielmehr ist es eigentlich beim Falten ein Hindernis).

Ungewollte, unkontrolierte Imperfektionen zu deuten oder das Bild des Schattens der Falten nachzufalten... Ist mir alles zu "meta" und unabhängig vom Können des Falters. Wenn es in einem Kunstwerk ein Rätsel zu lösen gilt, sollten nach meinem Geschmack die Schlüssel absichtlich hinein eingebaut werden - und nicht allein im Kopf des "Künstlers" verborgen sein, das ist für mich immer ziemlich verdächtig ;).

volker

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11

Montag, 25. Mai 2015, 19:07

Deine Haltung ist mir sympathisch, aber bevor ich mich in die Diskussion einlasse, mache ich mal weiter, indem ich einige Werke zu beschreiben vorsuche. Leider werde ich keine Bilder schicken durerfen wegen des Urheberrechts, denke ich. Ich setze Euch hier nochmal den Link zur Ausstellung:
http://kunstraum-alexander-buerkle.de/de…st-der-faltung/
In der Hoffnung, dass die die Bilder nicht aendern, gehe ich mal von oben nach unten auf eige Sachen etwas ein:
Oberstes Bild, da haengt ganzz links im Rahmen das von mir im Text erwaehnte Bild von Johanna von Monkiewitsch mit den zwei sich kreuzenden Knicken, bei dem das Batt erst gefaltet, dann fotografiert und dann das Foto an den Stellen gefaltet wurde, an denen auch das Original gefaltet wurde.
Zweites Bild von oben die vielen Kaestchen rechts an der Wand:
Soviele Personen wie "Bilder" bekamen je ein Blatt Schreibpapier, einen Schwammm und Wasser und sollten das Papier in gelicher Weise anfeuchten. Trotzdem rollten oder krumpelten sich die Blaetter etwas veschieden zusammen und trockneten unterschiedlich. Die Ergebnisse wurden einzeln gerahmt und sind hier zu sehen.
Drittes Bild von Oben, rechts:
Stoff wurde an einer Stelle sehr gerafft, dann fotografiert (Michael Reisch). Zu sehen ist nur das Foto. Man galubt tatsaechlich erst wenn man ganz nah dran ist, dass das nicht "echt" dreidimensional ist. (Den Effekt gab es haeufiger, auch bei anderen).
Viertes Bild von oben, rechts:
Der Kuenstler (Rainer Splitt) hat gleichartige Kartons gefaltet und etwas Farbe hineingeschuettet. Dann hat er die FArbe ausgekippt, die Farbe trocknen lassen und die und die Kartons wieder falch gemacht. Sein Werk nennt er Paperpools. Es wirkt, wie einige andere Arbeiten auch, nur als Serie.
Fuenftes Bild von oben, rechts:
Ein groesser Bogen gefaltetes Papier wird an der Wand mit sich uebrlappendem, breitem Alu-Klebeband auf die Wand geklebt.
Das sechte ueberspringe ich.
Siebtes Bild von oben, rechts:
Filzobjekt von Peter Weber, ueber den wir bereits im Forum diskutiert haben. Das Objekt ist ganz anders zustandegekommen, als ich dachte, naemlcih nicht durch Drehfaltung. Ein genauso aussehndes Objekt habe ich durch Berechnung von unserem Forumsmitglied Stefan Kober(?) mal mit einer Drehfaltung von Kawasaki gefaltet. Hier ist es aber so, dass Weber die "Baender" im nicht sichtbaren 'Bereich waagerecht und senkrecht konisch verformt (muss ziemlich nervig sein). So erzielt ER den Effekt.
Nun vesuche ich noch einige Objekte zu beschreiben, die mich in der einen oder anderen Weise beeindruckt haben:
Eine Kuensterin (Alison Moffett) hat Milllimetrpapier leicht geeknuellt und wieder eiigermassen geglaettet. Das Ergebis sieht bei entsprechnder Beleuchtung einer Gebirgslandschaft auf einer Kartographenzeichnung nicht unaehnlich. Das Ergebnis hat sie dann auf unzerknuelltem Millimeterpapier mit zarten Bleistiffftschraffueren akribisch abgezeichnet.
Ein Kuenstler (Alf Lechner) hat ein Blatt schwrzes Wasserschleifpapier einmal in der Mitte gefaltet und berauscht sich an dem samtenen Effekt der kaum sichtbaren Schatten....
Ein Kuenstler (Stefan Eberstadt) hat aus lauter winzigen z. T sehr langen schmalen Dreiecken und einigen Trapezen aus Pappe handwerklich perfekte abstrakte Skulpturen geschaffen, Mir ist ein Raetsel, wie er die Teile so passgenau aneinanderfuegen und -kleben konnte.
Eine Fotografin (Tamara Grcic) hat in NY-City unbemerkt die Ruecken von Frauen so fotografiert, dass man weder Hintergrund, noch Halsansatz oder Po sieht. Es geht ihr um die Stoffe und Stofffalten.
Eine Kuenstlerin (Marianna Castillo Deball ) faltet weisses Papier nur wenige male und druckt auf das Ergebnis als Titel Namen, die sich durch die Falten uebrhaupt nicht erklaeren lassen, z.B. Adlerkopfmaske oder Maske eines Mecklenburgischen Geheimbundes.
So, jetzt mache ich erst mal Schluss.

ercebe

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12

Mittwoch, 27. Mai 2015, 00:45

[font='Geneva, Arial, Helvetica, sans-serif']Schade, Volker, das du Bild 6 auslässt.[/font]
Das sechste überspringe ich.
[font='Geneva, Arial, Helvetica, sans-serif']Es zeigt ein Knüllbild von Olaf Metzel. Hier in Berlin gibt es zur Zeit die Ausstellung "Fassbinder Jetzt", und auch dort gibt es so ein Bild von ihm zu sehen. Ein Aluminiumblech wird belichtet, hier mit einem Drehplan, und anschließend zerknüllt er es, wie man Papier zerknüllt. Wie er das hinkriegt ist erstaunlich, denn es wirkt echt, wie Papier.[/font]
[font='Geneva, Arial, Helvetica, sans-serif']Tja, das bleibt von den hochfliegenden Plänen oder Projekten, ein Stück zerknülltes Papier. Natürlich ist das verspätete Popart, Alltagsgegenstände vergrößert, zum Teil riesig vergrößert, darzustellen. Ist das Kunst? Weiß ich auch nicht. Es gibt keine allgemeine Definition von Kunst. Kunst is, wenns die Leut sagen. Der Impressionismus wurde zu seiner Zeit als Schmierakel angesehen (Kaiser Wilhelm sprach von Gossenkunst, aber auch in Frankreich rümpfte man die Nase). Beim späten Beethoven (ja, wieder Beethoven) verdrehten die Wiener die Augen und fragten sich, was sie da gehört haben (dees soll Musik sein?). Goethe wurde wegen des "Werthers" angefeindet, der erste Briefroman.[/font]
[font='Geneva, Arial, Helvetica, sans-serif']So, jetzt bin ich ein müdercb.[/font]

13

Mittwoch, 27. Mai 2015, 08:54

Rainer, Deine Beispiele zeigen, daß Kunst immer mit einer neuen Sichtweise verbunden ist. Das setzt Kreativität voraus.

volker

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14

Mittwoch, 27. Mai 2015, 10:42

Rainer, schoen dass Du mich nochmal auf die Seite 6 gelenkt hast, und auch sonst Rainer und Ulrike, Danke! Es war uebrigens eine beeindruckende, etwas geknuellte Broetchentuete zu sehen. Wirklich faszinierend. Die oder der eine oder andere erinnert sich vielleicht: Ich hatte mal ein total verwurschteltes Taschentuch auf einem Bahnsteig gefunden, in eine Plastiktuete gepackt und mit nach Hause genommen (Meine Frau: Das Ding schaffst Du sofort aus dem Haus, aber sofort!) Das habe ich dann in der Plastiktuete auf den Scanner gelegt und die Fotos wurden damals z.T. Im Falter veroeffentlicht. Diese "Werk" haette in der Ausstellung keine schlechte Figur gemacht. Sieht aus wie der sterbende Galllier oder Laokoon. Ich VERSUCHE mal, es hierher zu beamen oder wenigstens in die Galerie:







Birgit Schumacher hatte vorher schon Fundstuecke veroeffentlicht.

15

Mittwoch, 27. Mai 2015, 11:11

Origami ist für mich, wenn ich ehrlich bin, keine Kunst.

Kreativität macht ein Handwerkstück noch nicht zum Kunstwerk, ich würde auch niemals einen schön gearbeiteten Stuhl als Kunst bezeichnen.

Die Aussage "Kunst liegt immer im Auge des Betrachters" ist ein Totschlagargument, und kommt damit einem Zuschlagen der Tür gleich.
Ich denke da mit einem Schmunzeln an dieses Video



Die Aussage ist ähnlich wertlos wie wenn man zu einem Kind sagt "Das verstehst Du noch nicht", oder man beantwortet eine Frage mit "Das würde jetzt zu lange dauern, es zu erklären". Es liegt auf keinen Fall im Auge des Betrachers OB eine Sache Kunst ist oder nicht, sondern lediglich ob sie gefällt oder nicht.

Richtige Kunst steht immer in Bezug zu Entwicklungen oder Ereignissen. Wenn ein Maler oder Musiker aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen in seinen Werken darstellt. Beispielsweise ein Aufbruch in eine neue Ära durch eine andere Art zu malen oder den Tod einer Person durch die Tonlage dann macht das ein Gemälde oder Musikstück zum Kunstwerk. Wenn ein Authist seine Gefühle in einer Skulptur zum Ausdruck bringt... das ist Kunst. Wenn jemand einen Origami Elefanten entwickelt, nur weil er gerade Lust drauf hat, dann ist das Handwerksgeschick... womöglich Talent... aber keine Kunst.

Im Grunde genommen verstehe ich auch die Diskussion darüber, ob Origami Kunst ist, nicht. Joan Sallas wollte mal Geld für eine Ausstellung haben, und die Unterstützung wurde abgelehnt, weil Origami keine anerkannte Kunstform ist. Aus diese Sicht verstehe ich die Problematik. Aber wenn man doch sowieso zu keinem Ergebnis kommt (weil Kunst doch im Auge des Betrachters liegt), dann halte ich die Diskussion für recht müßig.

Vielleicht entsteht Kunst auch nur im Kopf, genauso wie Beleidigungen sich nicht alleine auf das Wort an sich beschränken, sondern auch auf die damit verknüpften Gefühle und Erfahrungen?

Die Antwort, mein Freund, weiß ganz allein der Wind... die Antwort weiß ganz allein der WInd :)

16

Mittwoch, 27. Mai 2015, 15:26

auf artfocus.com wird versucht, Kunst zu definieren.
Zitat:
Kunst: Der Versuch einer Definition.
Kunst ist eine wesentliche Ausdrucksform für Gefühle und Gedanken, welche den Menschen bewegen. Kunst ist hierbei weniger das, was Kritiker und Spekulanten für wertvoll und handelbar halten, sondern vielmehr all das, worin der Künstler ein Stück von sich selbst gegeben hat. Sei es ein großes oder ein eher bescheidenes Werk. Es ist immer Ausdruck einer expressiven Schaffenskraft und des Bedürfnisses, sich mitzuteilen.
Meine Meinung: In diesem Sinne können auch Origamiwerke als Kunst betrachtet werden.

Kadeen

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17

Mittwoch, 27. Mai 2015, 18:21

Hallo, Ulrike,
ich habe die ganze Zeit überlegt, was ich unter Kunst verstehe.
Dein Beitrag trifft den Nagel 100 Prozent auf dem Kopf.
Genauso sehe ich es auch.
Danke für deinen Beitrag!
lg Klaus-Dieter

ercebe

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18

Donnerstag, 28. Mai 2015, 01:30

[font='Geneva, Arial, Helvetica, sans-serif']Ich muss auf das Knüllbild von Metzler in der Fassbinderausstellung zurückkommen, denn die Hauptsache fehlt. Heute habe ich mir das Teil [/font][font=Geneva]nochmals angeschaut. Die Vorderseite ist mit einem Porträt von Fassbinder bedruckt, die Rückseite mit dem Szenenplan. Die Knüllung ist so, dass sein Kopf erhalten bleibt, fast ungeknüllt. Jetzt ist die Intension klar: es ist ein Todessymbol. Das Gleiche mit einem lebenden Menschen zu machen, kommt glatt einem Mordaufruf gleich. Diese Diskrepanz macht das Objekt zum Kunstwerk, Metzler überwindet damit die Popart. Was ich oben geschrieben habe, stimmt also nicht so ganz.[/font]
[font=Geneva]
[/font]
[font=Geneva]Kaikra, kadeen, es tut mir leid, aber was artfocus.com geschrieben hat, ist ein einziges Trauerspiel. Kunst sei eine wesentliche Ausdrucksform von Gefühlen und Gedanken? Ist der Besinnungsaufsatz auch. Dann wird wieder gesagt, was Kunst nicht ist, geschenkt. Kunst ist, wenn der Künstler ein Stück von sich selbst…ach nööö, das ist Tautologie.[/font]
[font=Geneva]
[/font]
[font=Geneva]Bestenfalls werden Voraussetzungen von Kunst mitgeteilt. Es wurde hier doch schon angedeutet, wann Kunst entsteht. Voraussetzung ist die Beherrschung der Mittel und Techniken im Fach, das reicht aber nicht, das ist eben Kunsthandwerk. Und das ist ja nichts schlechtes. Zur Kunst gehört dagegen das Neue, das bisher nicht Gesehene, wie ich früher schrieb eine Aussage über die Welt, eine Erkenntnis. Die Kreativität hilft dann, dieses Neue in eine Form zu bringen, auf die man gerne schaut oder der man gerne zuhört.[/font]
[font=Geneva]
[/font]
[font=Geneva]Nee, jetzt ist es schon wieder sehr spät, und ich gehe ins Bett.[/font]

19

Donnerstag, 28. Mai 2015, 08:40

Es gibt Begriffe, welche sich nicht einfach definieren lassen, wie z.B. Leben. Ich denke, auch Kunst ist ein derartiger Begriff. Diesem Begriff kann man sich durch Beschreibungen- sowohl objektiven , wie subjektiven - nähern. Ich finde es interessant, wie sich verschiedene Menschen diesem Begriff nähern, aber auch, wie sie ihre Emotionen einbringen.

volker

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20

Donnerstag, 28. Mai 2015, 20:37

Es freut mich, dass Christian so klar in der Weise Stellung bezieht, dass Origami NORMALERWEISE keine Kunst ist. Es ist aber etwas ganz Grossartiges, Eigenes und in vielen Faellen m.E. wesenstlich mehr als Kunsthandwerk. Die Erfindungen von Fujimoto, Lang und vielen anderen haben bewundernswerte mathematisch- geometrische Elemente. Ich denke auch, dass man das mit der Kunst ruhig dahingestellt sein lassen kann.
Was die Kunstdefinitonen anbetrifft, so denke ich, dass Rainer am naechsten dran ist. Es muss ein neues Fenster aufgemacht werden. Die Augen muessen frisch gewaschen werden. Es muss nicht unbedingt was gesellschaftlich Relevantes sein, wie Christian offenbar meint. Eine neue "Perspektive" genuegt, und die bietet Origami eben normalerweise nicht.

ercebe

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Mittwoch, 3. Juni 2015, 00:00

[font='Geneva, Arial, Helvetica, sans-serif']Knüllbild von "Metzler", sowas aber auch. Der Mann heißt Metzel.[/font]
[font='Geneva, Arial, Helvetica, sans-serif']
[/font]
[font='Geneva, Arial, Helvetica, sans-serif']Ansonsten muss noch etwas Wasser in den Wein gießen, denn wir bewegen uns hier im europäischen, meinetwegen auch abendländischen Mustopf. Woanders denkt man anders, oder wir wissen es gar nicht. In den steinzeitlichen Höhlen in Spanien und Frankreich waren ohne Zweifel Künstler am Werk, denn die Darstellungen sind gestaltet, nicht zufällig und offenbar auch lange Zeit "in Gebrauch". Aber in welchem? In China gilt Kalligraphie als Kunst, also Schreiben, und zwar gleichwertig mit Malen. Das ist nicht fassbar mit unserem Kunstbegriff. Zumal man dort sehr angesehen war, im Kaiserreich jedenfalls, wenn man im Stil eines alten Meisters malt oder schreibt. Wie wir wissen, gilt Yoshizawa in Japan als nationale Kunstinstitution. Die Reihe lässt sich beliebig fortsetzen über die Kontinente hinweg.[/font]
[font='Geneva, Arial, Helvetica, sans-serif']Die Definition, die ich versucht habe, gilt vielleicht erst seit der Renaissance, der Wiederentdeckung des Individuums. Das Künstlerindividuum gab es im antiken Griechenland, in Rom. In Ägypten auch? Und in Mesopotamien? Niemand weiß es.[/font]
[font='Geneva, Arial, Helvetica, sans-serif']rcb[/font]

volker

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22

Sonntag, 24. Januar 2016, 20:52

ein Seitenweg

wir hatten ja hier den interessanten Meinungsaustausch ueber das Falten als Kunst. Ein ehem. Studienkollege aus Berlin hat mir das Buechlein geschickt, was Ihr durch einen Klick auf den Link sichtbar machen koennt. Ob die einzelnen Sachen nun "Kunst" sind oder vielleicht EIN Weg dorthin, muss jeder fuer sich selbst entscheiden. Ich finde den Ansatz aber interessant:
https://evrosoriou.files.wordpress.com/2…rchitecture.pdf

semea

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Montag, 25. Januar 2016, 09:42

Hallo Volker,
da ist ja richtig was los im Forum ,für was kalte Tage so alles gut sind.
Das Buch ist toll. sehr vielseitig. gefällt mir.

Was ist den hier los?? das sieht ja schlimm aus, die vielen Zeichen, aber anscheinend nicht nur bei mir.

24

Montag, 25. Januar 2016, 16:13

Zitat

Was ist den hier los??


Schriftart in Beiträgen

warigami

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25

Freitag, 29. Januar 2016, 20:22

https://evrosoriou.files.wordpress.com/2…rchitecture.pdf

Gerade noch einmal hineingeschaut: In der Tat ein interessantes Buch. Mich fasziniert hierbei besonders, wie teilweise willkürlich und unbedarft Faltungen in der Architektur verwendet werden: Einfach hier mal knicken, dort mal umbiegen, dann noch ein paar mal einschneiden und vllt. noch ein paar Zahnstocher mit hinein und fertig ist der Entwurf für ein Gebäude - oder auch nicht, aber macht ja nichts, dann probiert man es eben nochmal von neuem, Papier ist ja geduldig... :rolleyes:

Ich frage mich bisweilen, was wohl passieren würde, wenn man Architekten oder auch Designern den mathematischen Unterbau, der dem Falten zugrunde liegt,vermitteln wollte... 8o

volker

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Samstag, 30. Januar 2016, 19:27

es geht fuer die Architekten bei solchen Uebungen vor allem darum, die Zunge zu loesen. Sie sollen nicht gleich an Kosten, Statik, Funktionen denken. Ja, wenn Du ihnen den mathemtischen Unterbau erklaeren wuerdest, dann gaebe es einige, die damit was anfangen koennten, andere nicht, wie bei anderen auch. Bei DIESER Art des Herangehens war das aber nicht gewollt und auch das ist EIN Weg. Die wollen ja auch keine Origamisten werden, sondern Architekten.....

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