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Teddy

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  • »Teddy« ist der Autor dieses Themas

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1

Sonntag, 18. Oktober 2015, 09:43

Nur falten - keine Schere

Hallo zusammen,

in der 3sat-Sendung habe ich gehört, dass man bei Origami keine Schere gebrauchen darf (soll). Finde ich gut, denn es ist ja die traditionelle Kunst.
In einigen Büchern habe ich aber nun gesehen, dass teilweise Schere oder Klebstoff gebraucht wird. Ich würde nun gerne wissen, wie es wirklich ist, denn ich mich möchte das originale, traditionelle Origami lernen und kann daher bei Büchern nicht immer unterscheiden, was "verwestlich" oder einfach etwas abgeändert ist. Gibt es zu diesem Thema sozusagen einen "Ehrenkodex" oder Meinungen vielleicht sogar sehr konträre Ansichten?

Viele Grüße
Teddy

Eme

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2

Sonntag, 18. Oktober 2015, 11:27

Das ist eine Glaubensfrage. Ich schneide nicht, höchstens das Papier ins richtige Format.
Elke

3

Sonntag, 18. Oktober 2015, 15:14

den Japanern ist es egal. Sie schneiden, wenn es ihrer Meinung nach sinnvoll ist. Ebenso kleben sie, wenn das Modell stabiler sein soll.
Nicht kleben, nicht schneiden ist eher ein westlicher "Ehrenkodex" ;)

4

Sonntag, 18. Oktober 2015, 15:15

Ja, es ist eine Glaubensfrage, mit sehr konträren Ansichten, wo die Wogen schon mal hochgehen können wenn jemand eine andere Ansicht als die eigene Vertritt.
Wie im Video ja schon so schön erklärt wurde wird schon sehr viel länger gefaltet als es Papier gibt, es ist etwas, was einfach schon immer getan wurde. Bei den traditionellen japanischen Faltungen kommen durchaus auch mal Schnitte oder Klebstoff zum Einsatz. Lange Zeit war die Menge der gefalteten Modelle aber sehr überschaubar. Es gab vielleicht so um die 300 traditionelle Modelle die von Generation zu Generation weitergereicht wurde, wobei sich die Modelle die im asiatischen Raum gefaltet wurden geringfügig von den in Europa gefalteten unterschieden. Vor 50, 60 Jahren sowas gab es dann eine Revolution im Origami. Eine weltweit verstreute Gruppe von Faltern wollte die Grenzen des Origami herausfinden in dem sie sich immer Schwierigere Aufgaben stellte die nur durch Falten, ohne Schnitte, ohne Klebstoff aus einem einzelnen quadratischen Blatt Papier zu lösen sein sollten. Als Thema wählten sie sich Insekten und Spinnen. Es entstand ein reger Wettkampf immer genauere Nachbildungen der Natur zu erschaffen. Wenn im traditionellen Origami eine Spinne dadurch entstand, dass man bei einer Grundform mit vier Spitzen diese durch Schnitte in acht Beine teilte, so war nun nur noch falten erlaubt ... und es funktionierte. Innerhalb kürzester Zeit entstanden durch diese "Bug Wars" sehr viel komplexere Modelle und Faltmaneuver als man es sich bis dahin je hätte Vorstellen können. Die involvierten Personen ersannen aber nicht nur die Faltsequenzen, sie untersuchten auch die zugrundeliegenden Strukturen und warum und wie man gezielt zu einem bestimmten Ergebnis gelangen kann. Robert J. Lang hat seine Erkenntnisse in dem sehr umfangreichen Buch "Origami Design Secrets" zusammen gefasst und einige Programme entwickelt die beim Entwickeln von Origami Modellen helfen. Die bekanntesten zwei dieser Programme heißen "Tree Maker" und "Reference Finder". Seine Methode des Modelle Entwickelns ist aber bei weitem nicht die Einzige und obwohl sehr Effektiv auch nicht unbedingt die Eleganteste. Aber gut ich komme zu weit vom Thema ab.
Mittlerweile gibt es eine unüberschaubare Menge an Origami Modellen in einer Komplexität die man sich wohl nie Erträumen hätte können. Es ist tatsächlich möglich alles zu falten. Diese große Vielfalt hat dazu geführt, dass sich viele Falter auf einen gewissen Bereich spezialisieren. Es gibt Leute die hauptsächlich Tessellationen (flache Faltbilder) falten, andere wiederum bevorzugen Tiere, modulare Bälle oder Schachteln und wieder andere falten am liebsten ultra komplexe Dinosaurier oder Insekten. Die eben erwähnten Bereiche sind nur ein kleiner Bruchteil dessen was möglich ist, erfordern aber alle für sich auch unterschiedliche Dinge. Das beginnt damit welches Papier man wählt, sei es nun dick, dünn, gemustert oder vielleicht mit Alufolie laminiert, aber auch die Form und Menge die benötigt wird unterscheidet sich je nach Bedarf. Jemand der Blütenbälle faltet benötigt viele kleine bunte Blätter und je nach dem wie gut die einzelnen Module zusammengesteckt werden können wird vielleicht auch Klebstoff oder Nadel und Faden erforderlich sein. Für jemanden der ein dreidimensionales Tier faltet ist oftmals die Stabilität des Papiers ein wichtiges Thema, während Schere und Klebstoff unnötig erscheinen. Ältere Menschen sehen oft nicht mehr so gut, sie neigen daher dazu wieder zu einfacheren Modellen zurück zu gehen und vielen ist es auch nicht mehr so wichtig dabei puristisch zu bleiben, über den einen oder anderen Schnitt kann da leicht einmal hinweg gesehen werden wenn das Modell dadurch sehr viel einfacher oder eleganter zu falten geht. Jüngere Leute suchen oft die Herausforderung und wollen sehen was alles nur durch Falten möglich ist, für viele ist daher schneiden und kleben absolut tabu. Natürlich gibt es immer Ausnahmen und dies sind keine allgemein gültigen Regeln. Einige bekannte Designer superkomplexer Modelle verwenden reichlich Klebstoff, obwohl es durchaus möglich wäre ihre Modelle auch ohne Klebstoff zu falten, ganz einfach weil sie sie haltbarer machen wollen für Ausstellungen. Bekannte Beispiele hierfür sind Satoshi Kamiya und Brian Chan.
Es gibt sehr viele Ausprägungen des Origami und jeder muss für sich selbst herausfinden was zu einem passt und was er sich von seinem Hobby erwartet. Es gibt Leute die es lieben Ihr Papier anzufeuchten und nass zu falten um stabilere Modelle mit weicheren Kurven zu erhalten, andere falten gerne mit laminiertem Papier und wieder andere probieren gerne komplett andere Werkstoffe aus sei es nun Plastik, Metall oder Teig. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Meine persönlichen Regeln lauten keine Schnitte, kein Klebstoff, kein Aufmalen von Details, als Ausgangsformat nehme ich eine beliebige Anzahl gleichartiger regelmäßige Polygone. Diese Regeln gelten aber nur für mich und niemand anders muss sich daran halten. Allerdings kann es sein, dass ich persönlich ein Modell das diesen Regeln nicht entspricht als minderwertiger ansehe, das ist allerdings nur meine Sichtweise und muss nicht für andere Falter gelten.

5

Sonntag, 18. Oktober 2015, 15:23

..und Yoshizawa hat seine Modelle einfach mit Watte ausgestopft, damit sie plastischer wirkten :winke: Das ist sicherlich sinnvoll, wenn die Modelle viele Reisen überstehen sollen.

Eme

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6

Sonntag, 18. Oktober 2015, 17:14

Einen Überblick für Einsteiger verschafft das Buch "Origami" von Anna Kastlunger mit durchaus anspruchsvollen Modellen. Ich mag das Buch sehr.
Elke

Teddy

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7

Sonntag, 18. Oktober 2015, 17:42

Ganz herzlichen Dank für Eure Antworten und auch die lange, sehr interessante Erklärung!
Die Sicht- und Denkweisen gehen ja auseinander, aber damit hatte ich fast gerechnet...
Ich bin gespannt, in welche Richtung es mich ziehen wird. Geometrische Formen oder bestimmt Tiere, das wäre mein Wunsch. Ob das auch meinen sich noch zu übenden Fertigkeiten entspricht, das werde ich sehen... Auch verschiedene Papiere auszuprobieren, wird sicher sehr interessant sein.
Danke auch für die Namen von Autoren und bekannten Künstlern.
In der Dokumentation auf 3sat wurde dieser Drucker gezeigt, der die Faltmuster vorfalzte. Aber das sah so verwirrend aus (für mich), dass ich denke, dass nur der Erfinder dieser Figur, auch damit umgehen kann. Oder liege ich falsch damit?

Viele Grüße
Teddy

8

Sonntag, 18. Oktober 2015, 18:31

Also ich denke mal, dass außer Robert Lang kaum jemand einen Laserdrucker verwendet um sein Papier vor zu falzen. Die meisten Menschen nehmen ganz traditionell ihre Finger um zu falten. Sehr beliebt sind noch Falzbeine, Zahnstocher und Pinzetten.

Keine Sorge, die Fertigkeiten kommen mit der Übung. Neben sehr vielen Büchern und gezeichneten Anleitungen, gibt es auf Youtube jede Menge Videos die Schritt für Schritt erklären wie es geht.
Gerade bei geometrischen Formen gibt es sehr viele die toll aussehen und trotzdem recht einfach zu falten sind, da man viele gleichartige Module zusammen steckt.
Nur so als Besipiel kannst Du mal hier reinschauen: http://origamee.net/diagrams/diagrams.html

9

Sonntag, 18. Oktober 2015, 19:47

Also ich denke mal, dass außer Robert Lang kaum jemand einen Laserdrucker verwendet um sein Papier vor zu falzen. Die meisten Menschen nehmen ganz traditionell ihre Finger um zu falten. Sehr beliebt sind noch Falzbeine, Zahnstocher und Pinzetten.

Der Komplettheit halber weise ich mal darauf hin, dass "Laser-Origami" durchaus bereits seine Verbreitung gefunden hat: Speziell im professionellen technisch-naturwissenschaftlichen sowie im didaktischen/edukativen und gelgentlich auch im Design- und Kunstbereich kommen (laser)gecuttete Vorlagen zum Einsatz. Korrugationen, die für materialwissenschaftliche Experimente (siehe auch den Abschnitt in der 3sat-Doku über Flugzeugrümpfe) verwendet werden sollen, werden häufig in der Prototyping-Phase aus Gründen der Zeitersparnis nicht per Hand vorgefaltet sondern maschinell vorperforiert. Architekturmodelle, Pop-Up-Karten-Entwürfe z.B. für die Print-Werbung - die Anwendungen sind speziell, aber zahlreich.

Einzig im Freizeit-Origami findet der Lasercutter (noch) keine so weite Verbreitung, aber auch das kann sich in der kommenden Zeit ändern.

volker

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10

Sonntag, 18. Oktober 2015, 20:34

Danke, Anna (origami_8) fuer den wunderschoenen Text. Mir hat das schon immer gefallen, wie Du die "Neuen" begruesst. Teddy, Du scheinst ja ganz neu in der Scene zu sein. Hast Du schonmal www.papierfalten.de angeklickt mit den vielen Links zu internationalen Vereinen, Faltern, Veransataltungen, Origamishops und, und?

Teddy

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11

Montag, 19. Oktober 2015, 06:05

Ja, Volker, ich bin ganz neu in der Szene und übe demnach auch die Einstiegsmodelle, bevor ich mich den Objekten zuwenden kann, die mich mehr interessieren. So, wie ich hier lese, sind die meisten von Euch schon lange dabei und entwickelt zum Teil ja auch selber Eure Figuren... Da bin ich leider noch ganz weit von entfernt. ;( Danke für den Link, den kannte ich noch nicht!

Viele Grüße
Teddy

miasusannah

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12

Montag, 19. Oktober 2015, 12:47

Wenn ich Dir für den Anfang ein Buch empfehlen darf?
"Teach yourself Origami" von Montroll.
Hier steigt bei jeder Figur das Level ganz langsam an.
Die Anleitungen sind gut verständlich (wenn man etwas Englisch kann) und das Buch ist im Netz gut gebraucht zu kaufen.....

Teddy

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13

Montag, 19. Oktober 2015, 14:16

Danke für Deine Empfehlung, ich gehe gleich mal nachschauen. Ich denke, ich habe das übliche Durchschnittsenglisch, sprechen und verstehen, grammatikalisch nicht immer ganz richtig... :rolleyes:
Es hört sich gut an, was Du über das Buch schreibst.

Viele Grüße
Teddy

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