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1

Mittwoch, 29. Juni 2016, 10:28

Beleidigend

Es gibt Dinge über die ich mich ärgere obwohl ich es nicht sollte. Eines dieser Dinge sind Beleidigungen die die Leute eigentlich als Kompliment von sich geben.

Beispiel: Ich falte seit einer halben Stunde an einem 200 Schritt langen komplexen Modell. Bin dann fertig. Mein Gegenüber daraufhin: "Oh das ist toll, das würde meinem/meiner [füge (Klein-)Kind beliebigen Verwandschaftsgrads ein] gefallen, er/sie liebt (es) Papier (zu zerreißen und in den Mund zu stopfen)."

Das zeigt absolut null Wertschätzung, ganz im Gegenteil, es ist wie eine offen ausgesprochene Beleidigung. Den Leuten die das sagen ist das aber überhaupt nicht bewusst.

Ich mein dazu kommt ja noch dass ich das hübsche kleine Mädchen bin dem man nichts zutraut. "Sind sie Kindergärtnerin?" .... "Äh, nein! Laborleiter in einem Chemischen Labor." ... "Ah so, wirklich?"

Solche Dinge empfinde ich als wirklich beleidigend. Leider erlebe ich sie ständig. Kommt halt auch weil ich manchmal so nebenher hoch komplexe Modelle aus dem Kopf falte und die Leute vermutlich denken, wenn ich es auswendig kann, kann es wohl nicht so schwer sein.

Wie geht es Euch mit so etwas?

2

Mittwoch, 29. Juni 2016, 12:11

Ich verstehe genau was Du meinst, und erlebe das sehr häufig in den verschiedensten Situationen.

Ich denke aber, dass Du womöglich zu sensibel bist, wenn es um dieses Thema geht. Außerdem bin ich mir sehr sicher, dass die Menschen das dann auch garnicht böse meinen, sich halt einfach nur... ungeschickt... ausdrücken. Mittlerweile habe ich sehr gut gelernt die Menschen so zu aktzeptieren wie sie sind und meistens klappt das auch ganz gut. Und wenn es nicht klappt, dann fluche ich lieber in mich rein als laut heraus :)

Speziell in Bezug auf das Origami haben wir halt eine ganz andere Warnehmung als die Außenstehenden. Wir sind quasi die Freimaurer der Papierkunst und sehen Qualität und Komplexität einer gefalteten Figur, wo andere Menschen nur ein gebasteltes Stück Papier sehen :)

Womöglich liegt es auch daran, dass wir eine emotionale Verbindung zu der Sache haben. Das ist wie die Liebe zum Fußball oder Mittelaltermärkte oder Bilder oder Musik. Sag mal zu einem Fußballfan "Na, rennen deine Spackos heute Abend wieder einem Ball hinterher?". Es ist anzunehmen, dass der Fußballfan eine andere emotionale Reaktion zeigt, als ein Zero-Waste-Veganer :)

Also bleibt uns nur: Ruhe bewahren, die Menschen so zu lieben wie sie sind und sie heimlich zu bemittleiden, dass sie niemals die Leidenschaft erfahren werden, die wir beim Knicken eines Papieres empfinden.

miasusannah

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3

Mittwoch, 29. Juni 2016, 12:43

Soll ich Dir mal sagen, wie schnell so was passiert?
Ich bin "Kindergärtnerin" und überlege gerade, ob es wirklich so beleidigend ist, für eine gehalten zu werden....
Ich für meinen Teil empfinde meinen Job als a) verantwortungsvoll b)aufreibend c) anspruchsvoll......

volker

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4

Mittwoch, 29. Juni 2016, 13:46

Daniela, da hast Du ein schoens Beispiel mit Dir als Kindergaertnerin gewaehlt. Als Mann bist Du natuerlich per se schwul, wenn Du faltest, "ist doch klar". Die vielen, die nicht schwul sind, sollen die das als Beleidigung empfinden? Christian hat in den 15(?) Jahren, die ich ihn kenne, ungeheuer an Weisheit und Abstand zugelegt: Man muss die Leute nehmen wie sie sind (lieben muss man sie vielleicht nicht gerade, da geht er weiter als ich ihm folgen kann), andere gibt es nicht. Die Pfaelzer sagen: Unser Herrgott hot se vun alle Sorte. Recht haben sie!
Kleine nachtraegliche Ergaenzung: Anna, sieh es mal so: Unterschaetzt zu werden ist ein durch nichts zu ersetzendes Betriebskapital. Ausserdem: Wenn "das kleine niedliche Maedchen" cool antwortet: Leiterin eines Chemielabors, das hebt doch die Stimmung!

Eme

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5

Mittwoch, 29. Juni 2016, 18:27

Ich könnte die Liste auch fortsetzen... Ich komme mit folgender Erklärung ganz gut zurecht: Die Menschen neigen dazu zu vereinfachen und Neues, Ungewöhnliches einem bekannten Bild zuzuordnen.
Vereinfachtes ;) Beispiel: Papier faltende Frau - einfache Erklärung "verrückt oder Kindergärtnerin". Antwort "Chemikerin" - "also verrückt".
Zusätzlich nervt mich ein solchen Verhalten, dass immer nach dem Beruf gefragt wird, und nicht nach der Sache oder der Person. Ich kann allen Betroffenen aber Mut machen. Ich habe dadurch einen ganz ungewöhnlichen beruflichen Aufstieg genommen, der immer weniger mit meiner Tätigkeit zu tun hat.
Aber das Thema regt mich auf X(
Elke

gachepapier

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6

Mittwoch, 29. Juni 2016, 20:24

Mir scheint, dass man bei einer Beleidigung die Wahl hat, ob man beleidigt ist oder nicht (sonst ist es eher eine Verletzung). Das hilft insbesondere, wenn keine offensichtliche Absicht besteht, zu beleidigen, wie in den Beispielen von Anna. Reden wir hier über Stolz oder Ego ?
Signatur von »gachepapier« gachepapier

volker

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7

Mittwoch, 29. Juni 2016, 20:43

Kleine nachtraegliche Ergaenzung: Anna, sieh es mal so: Unterschaetzt zu werden ist ein durch nichts zu ersetzendes Betriebskapital. Ausserdem: Wenn "das kleine niedliche Maedchen" cool antwortet: Leiterin eines Chemielabors, das hebt doch die Stimmung!

8

Mittwoch, 29. Juni 2016, 21:39

Ich bin "Kindergärtnerin" und überlege gerade, ob es wirklich so beleidigend ist, für eine gehalten zu werden....


Das Beleidigende ist nicht per se für eine Kindergärtnerin gehalten zu werden, sondern die Annahme, dass ich da ohnedies nur Kinderbasteleien mache. Das Kindergärtnerinnen einen wichtigen verantwortungsvollen Beruf haben möchte ich keinesfalls in Zweifel ziehen. In diesem speziellen Fall empfinde ich die Annahme aber als Beleidigend weil damit eben gesagt wird, dass das was ich da mache nichts wert ist und nur eine Bastelei für kleine Kinder ist. Das würde ich dann einsehen, wenn ich tatsächlich nur irgendeine Kleinigkeit wie einen traditionellen Hüpffrosch gefaltet hätte, nicht aber, wenn ich eine halbe Ewigkeit an einem komplexen Modell gefaltet hätte, von dem ich genau weiß, dass es ein kleines Kind niemals falten könnte.

Und solche Aussagen kommen ja auch nicht nur von komplett Fremden. Einer der Fälle wo es mich am Meisten aufgeregt hat war, als ich mal recht aufwändige Modulare Bälle in Miniatur aus ausgesprochen schönem irisierendem Papier gefaltet hatte. Meine ältere Schwester war zu Besuch, sieht die Bälle und sagt: "Wenn Du welche von denen übrig hast, meine Frettchen lieben es sowas zu zerreißen."
Am liebsten hätte ich sie sofort aus meiner Wohnung geworfen. Sie sollte wissen, was Origami mir Bedeutet und wie viel Arbeit ich darin investiere. Das hat echt weh getan, aber ich glaube es war ihr wirklich nicht bewusst wie sehr sie mich damit gerade verletzt.

Bei den meisten Menschen denke ich mir dann halt meinen Teil und versuche es zu ignorieren. Frustrierend ist es trotzdem irgendwie.

9

Donnerstag, 30. Juni 2016, 13:51

Was Mia mit der der Kindergärtnerin gemeint hatte war wohl eher, dass Du sie jetzt potentiell beleidigt haben könntest. Und das ungewollt. Das ist schon witzig wenn man darüber nachdenkt. Man beschwert sich darüber, dass man sich beleidigt fühlt und beleidigt im selben Beitrag eine andere Gruppe ungewollt.
Und genauso kann es passieren... man passt nur einen Moment nicht auf und *ZACK* schon hat man einen ganzen Berufsstand verunglimpft :) Das ist wohl die Sender-Empfänger-Krux.

jumpingMouse

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10

Freitag, 1. Juli 2016, 14:10

Ich gebe Christian und Volker Recht, besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können.
Ich erlebe auch teilweise ungewollte Stereotypisierung und Unterschätzung in den meisten Bereichen des Lebens und ich glaube, das betrifft mehr oder weniger jeden. Jedes Geschlecht, Hobby, Krankheitsbild, jeder Beruf, jede Altersgruppe - einfach alles - kann und wird (manchmal ungewollt) in Schubladen gesteckt und Leistungen werden unterschätzt. So etwas geschieht in meinen Augen sehr oft wegen gefährlichem Halbwissen oder gar weil sich diejenigen kaum was darunter vorstellen können und in den seltensten Fällen aus bösen Gründen.

Also lass dich davon nicht unterkriegen und falte einfach weiter an den Modellen, die Dir Freude bereiten oder dich stolz machen!

jumpingMouse

semea

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11

Samstag, 2. Juli 2016, 09:54

Wenn ich mich beleidigt fühle, hat das auch etwas mit Enttäuschung zu tun. Enttäuscht kann man nur sein wenn man eine Erwartungshaltung hat. Deshalb stelle ich mir in solchen Fällen als 1. die Frage was habe ich denn erwartet?

Gruß SEMEA

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