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1

Donnerstag, 1. Mai 2014, 16:36

Suche Faltanleitung für Wyvern von Jason Schneider

Hallo,

ich bin derzeit auf der Suche nach einem netten Wyvern (Drache mit lediglich zwei Beinen). Auf Youtube habe ich einen gefunden, der mir gut gefällt: http://youtu.be/YoVQN-nbeFM
Weiß von euch jemand, ob es für diesen Drachen auch irgendwo eine Faltanleitung gibt? Im Netz oder in einem Buch oder Heft? Oder kann mir jemand eine Anleitung für einen ähnlich schlanken und nicht komplizierteren Wyvern empfehlen?

Ich kriege das Ding zwar auch nach dem Video hin, aber schöner finde ich das Falten nach einem Diagramm.

Kadeen

ein leuchtendes Vorbild

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2

Donnerstag, 1. Mai 2014, 16:58


3

Donnerstag, 1. Mai 2014, 17:58

Wenn es vom Erfinder selber keine Hinweise auf ein Diagramm gibt und eine Websuche ebenfalls kein Ergebnis bringt, gibt es mit ziemlicher Sicherheit auch kein Diagramm zu diesem Modell.

Faltanleitungen in Diagrammform aufzeichnen erfordert immer ein gewisses Maß an Geduld und Abstraktionsvermögen - Videoanleitungen (wenn sie nicht explizit der Vermittlung schwieriger oder komplexer Faltsequenzen dienen) sind dagegen lediglich eine billige Möglichkeit für faule Erfinder, Modelle zu veröffentlichen, ohne sich die Mühe machen zu müssen, den Faltweg in Diagrammform aufzuzeichnen. X(

Als Alternative schlage ich John Montrolls durchaus vergleichbaren Wyvern aus "Mythological Creatures and the Chinese Zodiac" vor.

4

Donnerstag, 1. Mai 2014, 18:18

Kadeen, Danke, die beiden sind sehr niedlich aber leider nicht ganz das, was ich gerade suche. :)

Im Netz habe ich keinerlei Hinweise auf ein Diagramm gefunden. Ich hoffe noch, dass es eine Zeitschrift oder eine Sammlung in einem Buch gibt, in der dieser Drache vorkommt.
Montrolls Buch habe ich, leider ist mir der Drache etwas zu hmmmm dicklich.
Vielleicht wandle ich einen Pteranodon aus Morris' Saurierbuch ab, mal schauen.

5

Donnerstag, 1. Mai 2014, 20:15

Zitat

sind dagegen lediglich eine billige Möglichkeit für faule Erfinder, Modelle zu veröffentlichen, ohne sich die Mühe machen zu müssen, den Faltweg in Diagrammform aufzuzeichnen

Das ist aber eine sehr böse Aussage :( Nicht jeder Erfinder hat automatisch auch das Talent eine Anleitung zu zeichnen. Und diese Leute jetzt gleich pauschal als faul zu bezeichnen ist doch recht frech. Obwohl ich überhaupt nicht gerne von Videos falten würde ich sagen: lieber ein gutes Video als ein schlechtes Diagramm.

6

Donnerstag, 1. Mai 2014, 21:33

Ja, die Aussage ist böse.

Trotzdem sind Videoanleitungen ein immer größer werdendes Übel.

Diagramme so aufzeichnen zu können, dass andere sie ohne Schwierigkeiten nachvollziehen können, ist ein elementarer Bestandteil dessen, was einen guten Modell-Erfinder ausmacht, der seine Modelle von anderen nachgefaltet wissen will.

Eine Faltfolge für sich zu begreifen und zu durchdringen, ist eine Sache - sie so zu beschreiben, dass andere sie nachvollziehen können, eine völlig andere.

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder, jemand entwickelt ein Modell als Unikat, das nicht nachgefaltet werden soll, oder er entwickelt es als Modell, das von anderen nachgefaltet werden soll. Im ersten Fall kann ihm die Reproduzierbarkeit letztlich egal oder sogar zuwider sein, allerdings wird hier entsprechend auch kaum eine Veröffentlchung der Faltfolge stattfinden (Wir hatten dieses Thema vor ein paar Monaten bzgl. Eric Joisels Sichtweise zu Reproduktionen). Im zweiten Fall dagegen muss eine Form gewählt werden, die es anderen ohne große Probleme ermöglicht, den Faltprozess nachzuvollziehen, denn der Erfinder will ja, dass sein Modell nachgefaltet wird.

Wenn jemand also ein Modell entwickelt und nur als Videoanleitung veröffentlicht, zeigt er seine Faulheit: Auf der einen Seite will er, dass sein Modell nachgefaltet wird, auf der anderen Seite stiehlt er sich aus der Verantwortung, den Faltprozess so zu raffinieren und zu reflektieren, dass andere diesen nachvollziehen können.

Ich behaupte übrigens nicht, dass Diagramme aufzeichen einfach ist: Im Gegenteil, eine gute Anleitung durchläuft etliche Revisionen, bis sie sich einem wirklich vorzeigbaren Ergebnis nähert. Wer dies aber nicht einmal versucht, sondern gleich ein Video macht, sollte sich grundsätzlich überlegen, ob eine Veröffentlichung überhaupt sinnvoll ist.

7

Freitag, 2. Mai 2014, 00:27

Zitat

Trotzdem sind Videoanleitungen ein immer größer werdendes Übel.

Das ist Deine Sicht der Dinge und die entspricht sicherlich nicht dem allgemeinen Bild. Im Gegenteil, denn gibt es offensichtlich viele Leute die das ganz toll finden (bei YouTube hat Jo Nakashima hat über 400tsd Abonenten, Tadashi Mori hat über 200tsd Abonenten, und sogar Sara Adams hat noch über 50tsd Abonenten). Und nur weil Du es jetzt irgendwie nicht richtig findest, macht es das noch nicht zu einem "größer werdenden Übel". Ich habe mich gerade vor kurzem mit einer netten Dame auf einem Treffen darüber unterhalten. Ich habe ihr gesagt, dass ich nicht gerne von Videos falte aber sie fand das ganz super, weil sie mit Diagrammen nicht gut klar kommt.

Zitat

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder, jemand entwickelt ein Modell als Unikat, das nicht nachgefaltet werden soll, oder er entwickelt es als Modell, das von anderen nachgefaltet werden soll.

Das ist falsch, denn ein Modell zu erfinden und es dann zu veröffentlichen, das sind zwei unterschiedliche Prozesse. Und ein dritter Prozess ist es dann eine Anleitung dafür zu produzieren oder auch nicht. Ich kann auch ein Modell erfinden, und mich dann dazu breitschlagen lassen eine Anleitung zu machen. Und wie die Anleitung dann aussieht ist meine Sache und nicht die Entscheidung der breiten Masse. Warum soll der Erfinder lernen Diagramme zu zeichnen? Das hat mit dem Erfinden des Modells nichts zu tun. Und mit Origami schon gleich drei mal nichts. Und fünmal nichts damit, ob er will dass jemand die Figur nachfalten kann oder nicht. Willkommen im 21ten Jahrhundert, wir sind nicht mehr auf gezeichnete Anleitungen angewiesen.

Zitat

Wenn jemand also ein Modell entwickelt und nur als Videoanleitung veröffentlicht, zeigt er seine Faulheit

Das hat nichts mit Faulheit zu tun. Faul wäre es, überhaupt keine Anleitung zu machen. Wenn er eine Videoanleitung macht ist das doch super. Immer noch besser als keine Anleitung. Die Darreichungsform hat nichts mit faul oder fleißig zu tun. Womöglich entwickelt jemand gerne Modelle und er möchte auch dass andere seine Modelle falten, aber Diagramme zeichnen, das kann er nicht. Aber er hat eine Videokamera zuhause. Warum sollte es faul sein mit den Möglichkeiten zu arbeiten die einem zur Verfügung stehen.

Zitat

auf der anderen Seite stiehlt er sich aus der Verantwortung, den Faltprozess so zu raffinieren und zu reflektieren, dass andere diesen nachvollziehen können.

Wenn er ein Video macht anhand dessen die Leute das Modell nachfalten können, dann hat er doch seine Pflicht getan. Mehr noch: er hat genau das getan was Du verlangst: Er zeigt das Modell auf eine Art und Weise die von den (Nach-)Falter verstanden wird. Alles super. Er hat ein Modell erfunden und eine Anleitung bereitgestellt der die interessierten Falter folgen kommen. Niemand stielt sich hier aus irgendetwas heraus.

Zitat

Ich behaupte übrigens nicht, dass Diagramme aufzeichen einfach ist: Im Gegenteil, eine gute Anleitung durchläuft etliche Revisionen, bis sie sich einem wirklich vorzeigbaren Ergebnis nähert.

Das ist richtig, hat aber überhaupt nichts mit Origami zu tun. Das eine ist das Talent die Figur zu erfinden und das andere ist das Talent eine gezeichnete Anleitung zu produzieren.

Zitat

Wer dies aber nicht einmal versucht, sondern gleich ein Video macht, sollte sich grundsätzlich überlegen, ob eine Veröffentlichung überhaupt sinnvoll ist.

Ich hoffe ernsthaft für Dich, dass diese Aussage ein Witz war, den ich einfach nur nicht verstanden habe. Denn wenn Du tatsächlich der Meinung bist der Falter hätte nicht das Recht die Art seiner Anleitung selbst zu wählen, dann zeichnet das ein sehr deutliches Bild von Dir. Warum sollte die Veröffentlichung in Form eines Videos nicht sinnvoll sein? Weil es Dir nicht in den Kram passt?

8

Freitag, 2. Mai 2014, 01:20

@Christian:
Ich merke an dieser Stelle kurz an, dass ich deine Ausführungen gelesen habe und mich schon jetzt darauf freue, die Diskussion fortzuführen. Angesichts der Uhrzeit und dem bevorstehenden Erkner-Wochenende muss ich meine Antworten jedoch auf Anfang nächster Woche verschieben.

Nur so viel: Ich bin nach wie vor der festen Überzeugung, dass Videoanleitungen objektiv betrachtet ein gewaltiger Rückschritt in der Vermittlung von Faltanleitungen sind und wann immer möglich gemieden werden sollten. Dies hat nichts mit persönlichen Vorlieben, allgemeiner Beliebtheit oder Verbreitungsgrad zu tun (und um gleich noch Godwins Law Genüge zu leisten: "Hitler hatte zu Lebzeiten Millionen Anhänger, Jesus hatte 12..." ;) ).
Weiterhin war meine direkte und massive Kritik an Videoanleitungen ausnahmsweise mal kein Witz und auch nicht ironisch gemeint sondern der ehrliche Hinweis auf etwas, das in der Zukunft zu deutlichen Problemen führen kann, gerade im Bezug darauf, ob und wie Faltanleitungen etwas mit der Vermittlung von Faltfolgen zu tun haben - aber dazu ab Montag mehr.

Laangen

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9

Freitag, 2. Mai 2014, 15:26

Ich bin ganz Christians Meinung das eine hat nichts mit dem anderen zutun.
Ein gut gemachtes Video hat den vorteil, Faltschritte direkt zusehen,schlecht gemachte Diagramme und Videos haben wenigstens den Respekt verdient überhaupt was für die
Origamikultur beigetragen zuhaben,ich hoffe es wird keine Diskussion ausarten wegen übertriebenen Überzeugungen !!!!!!!!!!!!!! [size=10] [/size]X([size=10] [/size]
Ich freu mich nicht auf solche Diskussionen

10

Freitag, 2. Mai 2014, 15:58

Ich finde nicht, dass dies der rechte Fleck für eine Grundsatzdebatte ist.

Aber da sie nun einmal ins Rollen gekommen ist: muss eigentlich alles immer bewertet werden? Ich finde nicht, dass man im Hobby Origami unbedingt in Kategorien denken muss. Es gibt kein richtig und kein falsch. Wenn der eine gerne schneidet und klebt und der andere nicht, dann ist das ok. Wenn der eine es lieber abstrakt hat und der andere für gegenständliches schwärmt, ist trotzdem beides Origami. Für den einen ist nur Origami, was als Tradition über viele Generationen hinweg mündlich weitergegeben wurde, während der andere die Explosion der Kreativität feiert, die mit der Erfindung der zeichnerischen Faltanleitungen möglich wurde - beides hat seine Daseinsberechtigung, weil es Menschen Freude macht und/oder Entspannung ermöglicht.
Und genauso ist es mit den verschiedenen Anleitungsformen. Es ist schön, wenn es sie gibt und dass es sie gibt, aber niemand ist dazu verpflichtet, welche zu erschaffen oder ein bestimmtes Medium dafür zu bevorzugen. Ich mag nicht nach Videoanleitungen falten, daher vermeide ich es wenn möglich. Ich bin ein Bücherfreak. Aber manche Modelle sind es in meinen Augen wert, sich mit einer ungeliebten Anleitungsform auseinanderzusetzen. Das ist aber meine ganz persönliche Entscheidung. Genauso, wie es die persönliche Entscheidung eines jeden Künstlers ist, ob er eine Anleitung für seine Kreation erstellt und wenn ja, welches Medium er dafür wählt.
Erlaubt ist, was gefällt. Erlaubt ist, was Freude macht. Dem Erfinder genauso wie dem Nachfalter.

Origami wird als Hobby nicht aussterben, nur weil manche Anleitungen nicht schriftlich festgehalten wurden.

Philipp

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11

Sonntag, 4. Mai 2014, 19:54

Einwurf: viele Origami-Infektionen erfolgen über Youtube, gerade bei Jüngeren ist eine Übertragung auf diesem Wege laut aktueller Forschung viel wahrscheinlicher :P

jeko

guckt sich noch um

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12

Montag, 5. Mai 2014, 18:41

vorweg: ich bevorzuge Diagramme, da ich bei Videos oft Probleme mit dem Timing habe (bei einfachen Modellen geht es mir viel zu langsam, bei schweren muss ich dauernd pausieren und hin und her springen). Bei Diagrammen habe ich mehrere Schritte gleichzeitig im Blick und kann nach meinem eigenen Tempo falten.

@Christian: hmm, Videoanleitungen im Fernsehen oder auf Video-Band sind schon des längeren möglich, klar ist es jetzt einfacher für Leute ein Video zu erstellen weil eine Kamera billig ist und Computer haben Video-Schnitt ohne spezielle Hardware möglich gemacht, aber so richtig modern finde ich das vom Prinzip her nicht. Irgendwas Interaktives wo man jederzeit einen Schritt wiederholen kann, oder das Ganze in 3D damit man schwierige Schritte von allen Seiten betrachten kann, oder etwas wo man sein Level einstellen kann, ... so was fände ich "modern".

Es gibt Video-Anleitungen auf youtube wo sich im Prinzip nur jemand gefilmt hat während er/sie ein Modell faltet. Da sind dann die Finger davor, der Blickwinkel falsch, das Modell aus dem Bild, die Kamera nicht auf das Modell fokusiert, ... Mit Videos ist die Schwelle eine "Anleitung" zu produzieren extrem niedrig (d.h. dauert genau so lange wie ich brauche ein Modell zu falten) während man sich bei Diagrammen zumindest minimal Gedanken machen muss. Ich würde vermuten dass schlechte Video-Anleitungen oft schlechter sind als schlechte Diagramme und in größerer Anzahl vorkommen.

Aber gute Video-Anleitungen (wie die von den 3 weiter oben erwähnten Leuten)? Nein, da muss man sich auch viel Mühe machen, den Faltprozess in nachvollziehbare Schritte runterbrechen, das Video scheiden und bearbeiten, schlechte Abschnitte nochmal neu aufnehmen, ... Irgendwie ein bisschen wie einen Workshop auf einem Treffen geben.

- Jens

13

Dienstag, 6. Mai 2014, 21:13

So, Zeit für meine Darlegungen...

Es wurde ja in der Zwischenzeit schon sehr viel Richtiges und Wichtiges gesagt, daher in Reihenfolge der Beiträge:

@Christian:
Du attestierst mir eine hochgradig subjektive Sicht der Dinge. Zwar haben Fragen, die sich vordergründig AUCH mit "mir gefällt dieses besser als jenes, weil ich es nunmal als angenehmer empfinde" beantworten lassen, durchaus das Potential, subjektiv statt objektiv betrachtet zu werden, allerdings gibt es in diesem Fall ebenso Aspekte, die eine objektive Betrachtungsweise ermöglichen, wodurch eine begründete Argumentation für oder wider eine bestimmte Methode ermöglicht wird.

Da ich aus deinen Ausführungen leider ebenso eindeutig subjektive Ansichten herauslese, hoffe ich, dass du meinen Begründungen zumindest eine Chance gibst:

Zitat

Trotzdem sind Videoanleitungen ein immer größer werdendes Übel.

Das ist Deine Sicht der Dinge und die entspricht sicherlich nicht dem allgemeinen Bild. Im Gegenteil, denn gibt es offensichtlich viele Leute die das ganz toll finden (bei YouTube hat Jo Nakashima hat über 400tsd Abonenten, Tadashi Mori hat über 200tsd Abonenten, und sogar Sara Adams hat noch über 50tsd Abonenten). Und nur weil Du es jetzt irgendwie nicht richtig findest, macht es das noch nicht zu einem "größer werdenden Übel". Ich habe mich gerade vor kurzem mit einer netten Dame auf einem Treffen darüber unterhalten. Ich habe ihr gesagt, dass ich nicht gerne von Videos falte aber sie fand das ganz super, weil sie mit Diagrammen nicht gut klar kommt.

Du führst hier eine zunehmende Verbreitung in Form von stetig steigenden Abonenten bei Youtube-Kanälen für Origami-Tutorials an: Ich hatte bereits einen augenzwinkernden Hinweis darauf gegeben, dass es sich hierbei um wesentlich umfangreichere Phänomene handelt als die reine Qualität von Videoanleitungen:

Youtube ist in seiner primären Funktion ein mittlerweile Subunternehmen von Google, das sein damit Geld verdient, Inhalte, die ihm von Dritten größtenteils kostenlos zur Verfügung gestellt werden, zu monetarisieren. (kurze Randbemerkung: "Web2.0: YOU make the content, THEY make the money" - ("DU lieferst die Inhalte, DIE streichen die Kohle ein")) Als solches ergreift es ständig Maßnahmen, in seiner relevanten Zielgruppe möglichst präsent zu sein.

Wenn nun jemand aus dieser beworbenen Zielgruppe zum ersten Mal mit Origami in kontakt gekommen ist und mehr darüber erfahren möchte, wird er gut möglich bei dem ihm vertrauten Youtube nachschauen, was es denn dort so alles zu Origami gibt. Natürlich wird er Tutorials finden und diese evtl. auch anschauen, nachfalten und seinen Freunden empfehlen, was zu steigenden Abonentenzahlen führt. Dies alles ist jedoch KEIN Merkmal für die Qualität der Video-Anleitungen sondern hauptsächlich ein Hinweis auf die Funktionsweise von Youtube. Die Beliebtheit einer Youtube-Video-Faltanleitung korreliert also nicht mit der Qualität des einzelnen Videos oder gar mit der von Video-Anleitungen allgemein.

Zitat

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder, jemand entwickelt ein Modell als Unikat, das nicht nachgefaltet werden soll, oder er entwickelt es als Modell, das von anderen nachgefaltet werden soll.

Das ist falsch, denn ein Modell zu erfinden und es dann zu veröffentlichen, das sind zwei unterschiedliche Prozesse. Und ein dritter Prozess ist es dann eine Anleitung dafür zu produzieren oder auch nicht. Ich kann auch ein Modell erfinden, und mich dann dazu breitschlagen lassen eine Anleitung zu machen. Und wie die Anleitung dann aussieht ist meine Sache und nicht die Entscheidung der breiten Masse. Warum soll der Erfinder lernen Diagramme zu zeichnen? Das hat mit dem Erfinden des Modells nichts zu tun. Und mit Origami schon gleich drei mal nichts. Und fünmal nichts damit, ob er will dass jemand die Figur nachfalten kann oder nicht. Willkommen im 21ten Jahrhundert, wir sind nicht mehr auf gezeichnete Anleitungen angewiesen.

Hier betonst du eine vermeintlich klare Trennung zwischen Modell-Entwicklung, -Veröffentlichung und -Vermittlung. Ich stimme dir insofern zu, dass es sich um unterscheidbare Prozesse handelt, allerdings sind diese kausal verknüpft: Ich kann nur veröffentlichen (egal ob als Anleitung zum Nachfalten oder als bloßes Foto/Video des fertigen Modells), was ich zuvor entwickelt habe und nur vermitteln, was zuvor veröffentlicht wurde (um die Situation, dass eine Anleitung von einem anderen als dem Modellerfinder erstellt wird, mit einzuschließen). Unabhängig jedoch davon, ob es sich um eine Eigen- oder Fremdveröffentlichung handelt, ist trotzdem IMMER der Aspekt entscheidend, DASS eine VerÖFFENTLICHung stattfindet: Jemand hat für sich entschieden, den Schritt in die Öffentlichkeit zu gehen und anderen das Modell zu präsentieren. Wenn er also (aus welchen Beweggründen auch immer) die Aufmerksamkeit der Allgemeinheit wünscht, muss er auch konsequent eine Methode wählen, mit der er ebenjene Allgemeinheit möglichst umfassend erreicht, damit sein Wunsch in Erfüllung gehen kann.

Wenn er dagegen eine Methode wählt, die oder, um deine subjektive Argumentation aufzugreifen, einem nicht geringen Teil der Allgemeinheit Probleme und Unbehagen bereitet, ist sein Veröffentlichungsinteresse eindeutig kritisch zu hinterfragen.

Ausschlaggebend ist hier nämlich NICHT die Entscheidung, ein Modell zu entwicklen sondern einzig, den Schritt in die Öffentlichkeit zu gehen und dieser das Modell zum Nachfalten anzubieten. Wann immer man sich aus seiner eigenen, kleinen, privaten Sphäre in die Öffentlichkeit begibt, wird von einem erwartet, sich gemäß gewissen etablierten Standards zu verhalten. Ein etablierter, gut funktionierender Standard zur Vermittlung von Faltanleitungen sind Diagramme. Diese wurden über Jahrzehnte hinweg verbessert und sind mittlerweile ausgereift:

Diagramme kann ich zuallererst meinem eigenen Arbeitstempo und meiner eigenen Arbeitsweise entsprechend lesen und befolgen: Bei einem Video muss ich mich entweder rigoros dem gezeigten Falttempo anpassen oder die Wiedergabe öfter unterbrechen und ggf. zurückspulen.

Weiterhin kann ich bei Diagrammen gleichzeitig bereits gemachte Schritte, den aktuellen Schritt und darauffolgende Faltschritte betrachten, ohne mich mit der Wiedergabesteuerung des Videos beschäftigen zu müssen.

Darüberhinaus kann ich Diagramme problemlos modifizieren, variieren und hilfreiche Anmerkungen im Text oder den Diagrammen ergänzen. Ich kann sie, selbst wenn sie in digitaler Form vorliegen, ausdrucken und analog verwenden und vor allem: Archivieren!

Viel Spaß dabei, in 50 Jahren ein Youtube-Video wiedergeben zu wollen... Wir stoßen heute schon an die Grenzen des Machbaren, wenn es darum geht, Daten von 30 Jahre alten 8-Zoll-Floppy-Disketten oder Magnetbändern auszulesen. Eine 50 Jahre alte Diagramm-Faltanleitung (egal ob handschriftlich, gedruckt oder kopiert) kann ich problemlos und unabhängig von irgendwelchen digitalen Beschränkungen lesen - ein verlustbehaftet komprimiertes und obendrein für Streaming optimiertes Video vermutlich nicht.

Wenn ich mich diesem etablierten und hervorragend funktionierenden Standard wiedersetze, nur, um nicht die Arbeit und Mühe zu haben, meinen entwickelten Faltprozess zu rekapitulieren, zu reflektieren und in eine universell lesbare Form zu bringen, IST DIES EINZIG UND ALLEIN FAULHEIT.

Vergleiche es, wenn du willst, mit Körperhygiene: Wenn ich allein als Einsiedler lebe, kann ich mich waschen, wann ich will: Einmal am Tag, einmal in der Woche, einmal im Monat. Es interessiert niemanden. Ich bin der einzige, der mit möglichen Konsequenzen zurecht kommen muss. Wenn ich mich dagegen in Kontakt mit anderen Menschen begebe, weil ich diesen etwas mitteilen oder von ihnen etwas bekommen möchte, ist die Einhaltung eines gewissen, über Generationen hinweg entwickelten Standards unabdingbar. Trete ich stinkend und ungewaschen in die Öffentlichkeit, muss ich mich schlichtweg damit abfinden, als faul und mglw. sogar potentiell gesundheitsgefährdend angesehen zu werden.

Genauso, wie also im großen Maßstab ein ungewaschener Mensch seine Faulheit oder Inkompetenz im Bezug auf Hygiene zur Schau stellt, zeigt im kleinen Maßstab ein Falterfinder, der nur eine Videoanleitung veröffentlicht, seine Faulheit bzw. Inkompetenz bzgl. der ordentlichen Veröffentlichung von Faltanleitungen.

Allgemein muss übrigens bei weitem nicht alles, was neu ist (oder irgendwann mal neu war), auch zwangsläufig gut sein, nur, weil es gerade "in" ist (Siehe z.B. Schuhe mit Plateausohlen :P ) Vielmehr sollte stets es eingehend geprüft werden und, falls die Prüfung letztlich ergibt, dass die Neuerung mehr Nach- als Vorteile bringt, als Beispiel, wie man es besser NICHT machen sollte, verworfen werden.

Dieses Prinzip der (selbst)kritischen Überprüfung gibt es übrigens schon weit länger als seit Beginn des 21. Jahrhunderts - aber trotzdem danke für deine Begrüßung, die ich jetzt einfach mal als nett gemeint auffasse... ;)

Zitat

Wenn jemand also ein Modell entwickelt und nur als Videoanleitung veröffentlicht, zeigt er seine Faulheit
Das hat nichts mit Faulheit zu tun. Faul wäre es, überhaupt keine Anleitung zu machen. Wenn er eine Videoanleitung macht ist das doch super. Immer noch besser als keine Anleitung. Die Darreichungsform hat nichts mit faul oder fleißig zu tun. Womöglich entwickelt jemand gerne Modelle und er möchte auch dass andere seine Modelle falten, aber Diagramme zeichnen, das kann er nicht. Aber er hat eine Videokamera zuhause. Warum sollte es faul sein mit den Möglichkeiten zu arbeiten die einem zur Verfügung stehen.

Dein Argument, dass eine Videoanleitung eine adäquate Anwendung von zur Verfügung stehenden Mitteln (in diesem Fall: Webcam...) ist, gilt weiterhin ebenfalls nicht wirklich: Ein heutiger Rechner, der im Stande ist, ein Video aufzuzeichnen und dieses auf ein Videoportal im Internet hochzuladen, ist GARANTIERT ebenfalls in der Lage, ein beliebiges Grafikprogramm (egal ob Bitmap, Vektor oder 3D) auszuführen. Die Wahl der Mittel erfolgt hier wieder nur, weil der Modellerfinder nicht willens ist, sich mit der Aufzeichnung von Faltdiagrammen auseinanderzusetzen.

Zitat

auf der anderen Seite stiehlt er sich aus der Verantwortung, den Faltprozess so zu raffinieren und zu reflektieren, dass andere diesen nachvollziehen können.
Wenn er ein Video macht anhand dessen die Leute das Modell nachfalten können, dann hat er doch seine Pflicht getan. Mehr noch: er hat genau das getan was Du verlangst: Er zeigt das Modell auf eine Art und Weise die von den (Nach-)Falter verstanden wird. Alles super. Er hat ein Modell erfunden und eine Anleitung bereitgestellt der die interessierten Falter folgen kommen. Niemand stielt sich hier aus irgendetwas heraus.

Ich kann nur noch einmal wiederholen: Faulheit und Inkompetenz sind keine Rechtfertigungen, ein unzureichendes Medium zu wählen.


Zitat

Ich behaupte übrigens nicht, dass Diagramme aufzeichen einfach ist: Im Gegenteil, eine gute Anleitung durchläuft etliche Revisionen, bis sie sich einem wirklich vorzeigbaren Ergebnis nähert.
Das ist richtig, hat aber überhaupt nichts mit Origami zu tun. Das eine ist das Talent die Figur zu erfinden und das andere ist das Talent eine gezeichnete Anleitung zu produzieren.

Wie bereits zuvor ausgeführt stimme ich dir zu, dass Modellerfindung und Diagrammaufzeichnung unterscheidbare Prozesse sind. Allerdings kannst du wenn überhaupt dahingehend unterscheiden, dass Modellerfindung konkretes Falten ist, während Diagrammaufzeichung dem viel umfassenderen und allgemeineren Themenkomplex der Wissensvermittlung angehört. Daher gelten hierfür sogar noch viel grundlegendere Standards als für unsere kleine bildend-reproduzierende Kunstnische... ;)

Zitat

Wer dies aber nicht einmal versucht, sondern gleich ein Video macht, sollte sich grundsätzlich überlegen, ob eine Veröffentlichung überhaupt sinnvoll ist.

Ich hoffe ernsthaft für Dich, dass diese Aussage ein Witz war, den ich einfach nur nicht verstanden habe. Denn wenn Du tatsächlich der Meinung bist der Falter hätte nicht das Recht die Art seiner Anleitung selbst zu wählen, dann zeichnet das ein sehr deutliches Bild von Dir. Warum sollte die Veröffentlichung in Form eines Videos nicht sinnvoll sein? Weil es Dir nicht in den Kram passt?

Abschließend weise ich noch einmal deutlich darauf hin, dass ich wirklich niemandem das Recht auf eine eigene Meinung oder freie Wahl seiner Veröffentlichungen abspreche. Wenn aber jemand ein objektiv mangelhaftes Medium wählt, muss er akzeptieren, dass er dafür ggf. scharf kritisiert wird.



@Laangen:
Ich habe keine Einwände gegen Videos, die bestimmte schwierige oder komplexe Handgriffe vermitteln. Eine Anleitung jedoch ausschließlich als Video zu veröffentlichen, ist aus oben genannten Gründen eindeutig kritisch zu sehen.

Schlechte Anleitungen (egal welcher Art und Form) haben leider keinen Respekt verdient, sondern wenn überhaupt den Hinweis, DASS es besser geht bzw. WIE derjenige es besser machen kann.

(Weiterhin hat mir besonders gefallen, dass du an dieser Diskussion teilnimmst und deinen Beitrag mit dem Hinweis beschließt, an Diskussionen wie diesen keine Freude zu haben - diesen Widerspruch in Worte zu fassen, ist ein schönes Beispiel für den in der heutigen Zeit viel zu seltenen Loriot-schen Humor... :) )



@Nix:
Vorab: Genaugenommen hat Christian die Debatte losgetreten und IHM obliegt es auch, diese aus deinem Such-Thema auszugliedern ;)

Aber genauso, wie es Menschen gibt, für die es vollkommen genug ist, am Wochenende mit ein paar Freunden auf einem Bolzplatz zu kicken oder auf der sommerabendlichen Terrasse ein paar Akkorde auf der Gitarre zu zupfen, gibt es andererseits auch Menschen, die eben wesentlich ambitionierter und engagierter Fußball oder Gitarre spielen.

Natürlich stimme ich dir zu, dass niemand zu einer bestimmten Herangehensweise gezwungen werden kann, was die Vermittlung von Faltanleitungen angeht. Trotzdem kann eine bestimmte Methode als objektiv unzureichend bewertet und entsprechend kritisiert werden.

Origami stirbt duch Videoanleitungen vllt. nicht aus, aber die Qualität wird doch merklich leiden.



@Philipp:
Ich hatte in meiner Antwort auf Christians Beitrag ja schon erläutert, dass Youtube selber noch einmal eine Sache für sich ist - ich fasse daher deinen Beitrag einfach mal als Untermauerung dessen auf... ;)



@jeko:
Deinen Ausführungen über "interaktive Diagramme" stimme ich voll und ganz zu, ebenso den Aspekten zur schnelleren und vor allem flexibleren Les- und Handhabbarkeit von Diagrammen gegenüber Videos. Es gab und gibt immer wieder Ansätze, dies umzusetzen (Ich habe z.B. in meiner Bibliothek ein Buch, dass das Zusammenlegen der Wasserbombenbasis als Daumenkino, dessen Einzelbilder auf sämtlichen Seiten des Buches an der selben Stelle des äußeren Seitenrandes aufgedruck sind, veranschaulicht - eine wie ich finde faszinierende Lösung!) - reine ich-filme-mich-beim-Falten-Videos gehören aber definitiv NICHT dazu.

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Dienstag, 6. Mai 2014, 21:56


Origami stirbt duch Videoanleitungen vllt. nicht aus, aber die Qualität wird doch merklich leiden.

Sorry, aber das halte ich dann doch für eine recht gewagte These. ;)

Philipp

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15

Donnerstag, 8. Mai 2014, 16:09

Wenn er also (aus welchen Beweggründen auch immer) die Aufmerksamkeit der Allgemeinheit wünscht, muss er auch konsequent eine Methode wählen, mit der er ebenjene Allgemeinheit möglichst umfassend erreicht, damit sein Wunsch in Erfüllung gehen kann.

Wenn er dagegen eine Methode wählt, die oder, um deine subjektive Argumentation aufzugreifen, einem nicht geringen Teil der Allgemeinheit Probleme und Unbehagen bereitet, ist sein Veröffentlichungsinteresse eindeutig kritisch zu hinterfragen.


ich frage mich, wie jetzt CPs aufgefasst werden sollen... und Videos zu CPs ?(

achja der smiley ist nicht so traurig gemeint wie er aussieht :D könnte sich vielleicht mal jemand um einen belustigt-verwirrten smiley kümmern?

Beste Grüße
Philipp