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Dienstag, 4. Februar 2014, 20:42

Falten als Kunst - Präsentationsformen

Da ja einige von uns sich mit Falten nicht nur als Freizeitgestaltung, sondern auch als Kunstform beschäftigen, möchte ich in diesem Thema Vorschläge, Erfahrungen und Ideen zu verschiedenen Präsentationsmöglichkeiten für ernstzunehmende Faltkunstwerke zusammentragen.

Mein aktueller Fokus liegt auf Korrugationen und 3d-Tessellationen, deshalb habe ich mir zunächst mal probehalber einfache Holzrahmen gebaut und diese ebenso testweise mit einfachen Miura-Korrugationen bestückt:



Was haltet ihr von dieser Präsentationsform? Passend? Zu schlicht? Zu konservativ? Die Rahmen zu wuchtig? Ohne schützende Glasscheibe möglicherweise zu schadensanfällig?

Bekannte Tessellationen-Falter wie Eric Gjerde oder Goran Konjevod stellen ihre Werke häufig ganz ohne Rahmen aus, einfach mit Fäden oder Nadeln an der Wand hängend. Mir erscheint dies vor allem im Bezug auf eine mögliche Vermarktung irgendwie etwas seltsam, wenn potentielle Käufer einfach nur das bloße Faltwerk in die Hand gedrückt bekommen sollen nach dem Motto: "Hier, bitte - und jetzt sieh selber zu, wie du es bei dir zuhause am besten unterbringst..." :whistling:
Intuitiv würde ich sagen, dass ein fertig gerahmtes Relief "kundenfreundlicher" ist, da die Präsentationsform bereits passend zum Werk vorliegt und der Käufer anschließend nur noch über den Präsentations-ORT entscheiden muss, ohne die zusätzliche Arbeit zu haben, sich über die Präsentations-ART Gedanken machen zu müssen. Wie seht ihr dies?

akugami

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Dienstag, 4. Februar 2014, 20:57

ich finde die rahmen recht passend für die vorgestellten faltungen, auch die glasscheibe wäre für einen dauerhaften kunstgenuß sicher hilfreich.
was die art der angesprochenen präsentation der werke von z.b. eric gjerde betrifft, so liegt dem ganzen möglicherweise eine andere absicht zugrunde - die ausstellung von kunst und nicht vordergründig deren verkauf.

volker

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3

Dienstag, 4. Februar 2014, 23:21

Ich war und bin zwar zu bequem, mir Rahmen zu machen und zu geizig welche machen zu lassen, aber ich denke, es waere sehr schoen, wenn Deine Tesselations etwas transparent waeren und dann ZWISCHEN ZWEI Glasscheiben in aehnlichen Rahmen praesentiert wuerden, wie Du sie hier zeigst. Weisse bzw. schwarze scheinbar schlichte Rahmen, aber sorgfaeltig gearbeitet und ggf. hochglanzlackiert oder matt, ohne die Maserung zu zeigen (Konkurrenz), wirken immer vornehm und gediegen, finde ich.

akugami

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4

Dienstag, 4. Februar 2014, 23:42

bei einer ausstellung von tesselations zwischen zwei scheiben wäre eine hinterleuchtung nicht schlecht, oder? es sei denn, man hängt das ganze frei im raum oder vor einem fenster auf ...

5

Mittwoch, 5. Februar 2014, 00:20

Vielen Dank akugami und volker für die Rückmeldungen!

Die bewusste Berücksichtigung einer Vermarktungsmöglichkeit mag manchem Kunstverständnis entgegenstehen, aber ich bin in der letzten Zeit nach eigenen Recherchen und Gesprächen mit anderen Faltern zu dem persönlichen Ergebnis gekommen, dass Falten auch deswegen nicht oder nur sehr eingeschränkt von der Öffentlichkeit als "echte" Kunst wahrgenommen wird, weil es einfach am KunstMARKT nicht bzw. fast nicht vertreten ist. Eine Orientierung dorthin könnte evtl. sinnvoll sein bzw. neue Möglichkeiten eröffnen.

Die Präsentationen von 2d-Tessellationen zwischen zwei Glasplatten ist mir bekannt - allerdings habe ich den Eindruck, dass Korrugationen und 3d-Tessellationen, wenn sie hinter bzw. zwischen Glas gepackt werden, etwas von ihrer Plastizität verlieren: Gerade Korrugationen leben davon, als Relief wahrgenommen zu werden. Weiterhin ist transparentes Material bei 2d-Tessellationen natürlich sinnvoll aufgrund der durch oftmals zahlreiche Pleat- und Twist-Falten mehrlagigen Bereiche und den daraus resultierenden verschiedenen Schattierungen - bei Korrugationen, die überall nur einlagig sind, ist der Effekt allerdings wesentlich geringer. Von einer Durchlicht-Präsentation würde ich daher erstmal absehen. (Auch wenn speziell mein "schwarzweiß"-Prototyp tatsächich sogar aus festem Transparentpapier gefaltet ist - es wirkt ohne Hintergrundbeleuchtung besser als mit)

akugami

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6

Mittwoch, 5. Februar 2014, 17:04

ich finde auch, daß origami auf dem kunstmarkt unterrepräsentiert ist.
letztlich definiert sich kunst aber nicht zwangsläufig durch einen hohen preis.
ob und wie sich origami verkauft, war aber sicher nicht die frage, die mit diesem thema beantwortet werden sollte ...

7

Mittwoch, 5. Februar 2014, 17:47

Ob sich überhaupt irgendwann einmal ein (hoher) Preis für gefaltete Kunstwerke erzielen lässt, steht ohnehin noch in den Sternen...

Solange wir aber potentiellen Käufern bzw. Interessenten gar nicht erst die Möglichkeit bieten, Faltkunst zu erwerben, wird sich folglich auch niemand damit auseinandersetzen. Ich selber bin auch kein Freund von übertriebener Werbung und Kommerzialisierung, aber es wird sich vorraussichtlich nicht vermeiden lassen, wenn man die Öffentlichkeit nachhaltig erreichen will. (Wie so oft: "Das Angebot bestimmt die Nachfrage" bzw. "Woher sollen die Käufer wissen, dass sie Faltkunst kaufen können, wenn niemand ihnen entsprechende Werke anbietet?")

Die Frage, "ob und wie sich Origami verkauft" möchte ich hier eigentlich ebenfalls nicht diskutieren, zumal sie sich wohl erst dann sinnvoll beantworten lässt, wenn deutlich mehr Werke von verschiedenen Faltern am Markt präsent sind und sich so etwas wie eine Tendenz (Interesse? Ablehnung? Nischendasein?) bei der allgemeinen Nachfrage herausbildet.

Was man aber auf dem Weg dorthin versuchen kann, ist, einige Problemstellungen im Vorfeld zu klären - und eine davon ist eben die Wahl geeigneter Präsentationsformen bzw. die Vermeidung weniger geeigneter Möglichkeiten.

akugami

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8

Mittwoch, 5. Februar 2014, 23:26

dies war mein beitrag für die letzte ausstellung der tschechischen origamifreunde in blovice. die (gefalteten) rahmen müßte der eine oder andere aufmerksame gast auch in weimar schon gesehen haben ...


Eme

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9

Donnerstag, 6. Februar 2014, 17:13

Die Rahmen mit den Korrugationen gefallen mir. Das sieht alles sehr gediegen aus. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb ich leichte Zweifel habe, ob dies die geeignete Präsentationsform ist. Zur Philosophie des Origami gehört ja auch die Vergänglichkeit. Möglicherweise wählen Künstler wie Stefan Weber oder Nick Robinson eher die Performance.

Wie dem auch sei, mach' dir nicht so viele Gedanken. Lege einfach los und lasse die von Ergebnis überraschen! Das macht mehr Spaß.

Elke

10

Donnerstag, 6. Februar 2014, 18:01

Liebe Elke,
Das Pferdefoto ist gelungen

11

Donnerstag, 6. Februar 2014, 19:30

Nochmals danke für die Antworten...

@volker:
Die Ablenkung oder Konkurrenz sehe ich bei erkennbarer Holzmaserung eigentlich nicht, Papier ist ja im weiteren, stark vereinfachten Sinne quasi eine umgewandelte Form von Holz, da würde eine kleine Reminiszenz an den Ursprung, z.B. eben in Form erkennbarer Maserung auf dem Rahmen, gar nicht mal so sehr stören.

@akugami:
Über Papier- (bzw. evtl. auch Papp- oder Karton-)Rahmen hatte ich zu Beginn ebenfalls kurz nachgedacht, die Idee dann aber wieder verworfen, da ich wenn überhaupt eher hier eine Gefahr der besagten Ablenkung vom bzw. Konkurrenz zum eigentlichen Relief gesehen hatte. Wie stabil sind deine Papierrahmen? Persönlich gefällt mir der Holz"rahmen" hinter dem Trommelträger in der oberen Reihe Mitte sehr gut - auch wenn der Aufwand hierfür vermutlich deutlich größer ist als für die gefalteten Rahmen?

@Eme:
Du sprichst hier einen wichtigen Aspekt an. Falten vor Publikum ist definitiv ebenfalls eine gute Möglichkeit der künstlerischen Präsentation, auch wenn es sich dann vermutlich schon mehr um darstellende Kunst handelt als um bildende Kunst - oder ein Mittelding dazwischen, da am Ende ja fertige Objekte in physischer Form vorliegen. Dass ein aus Papier gefaltetes Werk häufig weniger beständig ist als z.B. eine Holz- oder Steinskulptur ist naheliegend - trotzdem würde ich den Aspekt der Vergänglichkeit hier nicht zu sehr hervorheben bzw. etwas relativieren: Ein Gemälde ist, bei entsprechender Wahl der Medien oder einem zu sorglosen Umgang mit dem fertigen Werk, letztlich ebenso vergänglich.

So gut dein Rat also auch gemeint ist: Gerade den unreflektierten oder "gedankenlosen" ;) Umgang mit Falten möchte ich versuchen, etwas zu reduzieren. Auch der Spaß wird dabei nicht auf der Strecke bleiben, zumindest macht es mir persönlich Spaß, wenn ich weiß, dass ich meinen eigenen kleinen Beitrag zur Verbesserung der öffentlchen Wahrnehmung von Falten als ernsthafte Kunst leisten kann.

volker

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12

Donnerstag, 6. Februar 2014, 19:54

Das ist ja auch wieder eine sehr interessante Diskussion. Ueberhaupt ist das Forum lebendig. GEFAELLT MIR....(^_I_^)

13

Mittwoch, 28. Mai 2014, 00:18

Nach längerer Zeit mal wieder ein paar Neuigkeiten von der "Faltkunstfront"...

In Erkner hatte ich euch als "Falt-Fachpublikum" ja bereits einige meiner Reliefs präsentiert - mit teilweise überraschten, teilweise neugierigen, immer jedoch positiven Rückmeldungen.

Nicht zuletzt davon in meinem Vorhaben bekräftigt, herauszufinden, ob und, wenn ja, wie sich Falten als ernstzunehmende Kunstform etablieren lässt, bin ich daher zu "Phase zwei" übergegangen: Ich werde in den kommenden Wochen meine Reliefs in einer "ordentlichen" Galerie einem allgemeinen Publikum präsentieren.

Einen ersten flüchtigen Eindruck (mit Digitalkompaktkamera, außerdem ist die Beleuchtung vor Ort noch nicht installiert) gibt es hier:


Wie immer freue ich mich auf eure Kommentare, Ratschläge und Kritiken!

Philipp

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14

Mittwoch, 28. Mai 2014, 15:24

das, was man erkennen kann, gefällt mir gut :thumbup:

akugami

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15

Mittwoch, 28. Mai 2014, 18:15

auf mich wirkt das ganze etwas zu "bunt", wenn nicht gar unruhig ... ein farbkonzept könnte hier abhilfe schaffen, d.h. entweder die kombination aus je einer rahmen- und einer relieffarbe, oder ein farbrhythmus, der in einer nachvollziehbaren folge verschiedene farbkombinationen aneinanderreiht.
warum hängen denn die werke so auf einem haufen? auf einer höhe oder in einem gestuften wechsel sähe das ganze für meine augen professioneller aus.
fein, daß du dir weiterhin gedanken über den kunstbegriff im origami machst - die mehrheit unserer zeitgenossen sieht auch im künstlerischen papierfalten kaum mehr als eine bastelei.

16

Mittwoch, 28. Mai 2014, 19:05

@akugami:
Du sprichst wichtige Aspekte an:

Einheitliche Farbgebung und Rahmung hatte ich ganz zu Anfang tatsächlich mal in Betracht gezogen, aber bald wieder verworfen: Beim Betrachter könnte dadurch leicht der Eindruck entstehen, es handele sich nicht einzelne, unterscheidbare Werke, sondern um eine mehr oder weniger fest zusammenhängende (Test-)Reihe. Einheitliches Papier, vor allem rein weißes, sieht zwar elegant bzw. sogar edel aus - allerdings wird dies ggf. auch als zu steril oder technisch wahrgenommen. Jemand, dem ich Entwürfe aus weißem Papier gezeigt hatte, sagte mir, dass diese nicht wie Kunst, sondern wie Design- oder Architekturstudien wirkten. Er empfahl mir, verschiedene Papierfarben zu verwenden, um die Werke etwas voneinander zu lösen. Im Moment erscheint mir diese Sichtweise sehr sinnvoll, daher meine "bunte" Farbgebung und Rahmung.

Die Haufen-Aufhängung ist in Absprache mit der Galeristin entstanden: Da die Reliefs für sich genommen bereits sehr viel Ordnung und Struktur enthalten, hätte eine "klassische" bzw. "ordentliche" Reihen- oder Raster-Aufhängung sehr leicht zu "zu viel" Ordnung geführt, was wiederum das Gesamtbild beeinträchtigt hätte.

volker

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17

Mittwoch, 28. Mai 2014, 23:13

Eine Galeristin muesste ja eigenlich immer recht haben, aber in meinen Augen hat akugami( (Kay) auf der ganzen Linie recht. Deine Reliefs schreien regelrecht (stumm) nach Minimalismus, auch in ihrer Praesentation. Guck mal, ob Du irgendwo Bilder findest, wie Vasarely seine Werke praesentiert hat. (ich meine mich zu erinnern, so wie akugami geraten hat). Wie zeigt Rothko seine Werke?[size=12][/size]

volker

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18

Mittwoch, 28. Mai 2014, 23:23

Nachtrag: Das mit den Architektur- oder Designstudien ist Quatsch. Einig sind sich ja mittlerweile die Leute, dass es einen sog. erweiterten Kunstbegriff gibt. Das bedeutet m.E. auch, dass vieles von dem , was man frueher als Studie oder "Laborversuch" bezeichnet haette, heute zu recht als selbstaendiges Kunstwerk angsehen wird (s die Werke von Albers). ICH bin in dem Zusammenhang der Meinung, dass Deine Korrugationen um als Kusnts zu gelten, viel zu unterschiedlich sind. Du muesstest m.E.von jedem dieser Werke eine ganze Serie von kaum merklcihen Variationen machen. Einfach so auf einem Haufen, KANN das keine KUNST sein, so kunsfertig es auch sein mag.[size=12][/size]

19

Mittwoch, 28. Mai 2014, 23:59

Mir gefällt es so wie es ist, bunt und in einer kunstvollen Anordnung, nicht starr und stur nebeneinander. Was man nun als Kunst definiert muss ohnedies jeder für sich selbst wissen. Üblicherweise hat es aber damit zu tun wie viel Leute bereit sind dafür zu zahlen.
Ich kann das tollste Bild aller Zeiten malen, wenn keiner bereit ist dafür was zu zahlen wird es wohl kaum als Kunst anerkannt werden. Andere machen einen Farbkleks auf ein Blatt Papier und verkaufen das für ein paar tausend Euro. Wie sie das machen ist mir ein Rätsel, aber ich kann sowas nicht als Kunst anerkennen.

quiet marverick

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20

Donnerstag, 29. Mai 2014, 09:04

Ich finde die Ramung und die Farben stimmig und gut. Allerdings mag mir die "Ballung" der Werke auch nicht so recht gefallen. Sie hängen so dicht beieinander und sind zudem nicht so groß wie andere Gemälde. Dadurch denke ich, schaut man viel zu schnell zwischen den einzelnen Korrugationen hin und her, vergleicht sie miteinander und oder betrachtet sie als ein Gesamtwerk. Das ist ja aber nicht der Sinn. Ich denke man müsste sich mehr mit jedem einzelnen Stück beschäftigen.
Trotzdem finde ich es gut, dass du dran bleibst und das Ausstellen in einer Galerie ist super. Viel Erfolg dabei!

Alex
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21

Donnerstag, 29. Mai 2014, 09:05

Einfach so auf einem Haufen, KANN das keine KUNST sein, so kunsfertig es auch sein mag.

das meinst Du nicht wirklich, lieber Volker?

22

Donnerstag, 29. Mai 2014, 13:09

@volker:
Es kann durchaus sein, dass die Galeristin mit meinen Werken (noch) nicht viel anfangen kann und sich deshalb ähnlich wie ich von Neugierde hat lenken lassen. Aber zumindest konnte man ihr dies wenn dann nicht anmerken bzw. klang sie im Gespräch sehr sicher bzgl. der Wahl der Aufhängung...

Vasarely kannte ich bereits, über Rothko habe ich mir zunächst einen Überblick verschafft. Was die beiden aber eint, ist die deutliche GRÖSSE ihrer Werke: Ein mehrere Quadratmeter großes Bild braucht auf jeden Fall genug Raum, um in einer Ausstellung nicht mit anderen Arbeiten "in Konflikt zu geraten".
Möglich, dass ich irgendwann in der Zukunft ebenfalls diese Größenordungen ausprobieren werde - aktuell bin ich aber mit den "kleinen" Abmessungen noch ganz zufrieden. Wenn diese Kompaktheit dann auch die Möglichkeit einer etwas ungezwungeneren Präsentation erlaubt - warum nicht einmal versuchen? Ich werde deinen und akugamis Rat aber auf jeden Fall noch einmal mit der Galeristin besprechen.

Ob außerdem die (ungewollte) Wahrnehmung als Studie oder Testreihe bei gleichfarbigen Reliefs wirklich Unsinn ist, bin ich mir nicht sicher. Mein Bekannter wird es nicht aus der Luft gegriffen haben: Auf ihn hatten die weißen Entwürfe ja offenbar diese Wirkung.
Albers z.B. hat (so weit ich mich bisher mit seinem Gesamtwerk beschäftigt habe) auch nicht jeden Entwurf gleich als druckreif angesehen. U.A. existiert von ihm ein Buch, in dem er verschiedenste Farb-, Material- und Drucktechnik-Kombinationen "getestet" und miteinander verglichen hat - aber nicht jede dieser Kombinationen hat er später auch in einem Werk verwendet.

Wenn für dich nun unstrukturierte Farbwahl und Anordnung den Eindruck entstehen lassen, es handele sich nicht um Kunst, ist das vollkommen in Ordunng. Grundsätzlich ist mir ein sachlich begründetes "Ich stimme dir NICHT zu!" genauso lieb wie ein höfliches, aber letztlich leider wenig aussagekräftiges "Gut gemacht!"

Evtl. sei an dieser Stelle allerdings (augenzwinkernd ;) ) auf http://de.wikipedia.org/wiki/Bestätigungsfehler hingewiesen: Durch deine persönlichen Architektur-Kenntnisse hast du dir im Laufe der Zeit evtl. eine bestimmte Sichtweise angeeignet, wie etwas in einem Raum wirkt bzw. wie Raum als solcher auf etwas wirkt bzw. "zu wirken hat" (weil du es so kennengelernt hast). Wenn jetzt jemand ohne diesen indivuduellen Hintergrund eine Fragestellung anders angeht, als du es gewohnt bist, wirst du erst einmal zögernd reagieren, da der Mensch nun mal ein Gewohnheitstier ist... ^^

Versteh mich bitte nicht falsch: Ich respektiere deine Sichtweise voll und ganz und ich freue mich auch weiterhin auf sachliche Hinweise von dir zu diesem Thema - auch wenn sie meiner Sichtweise entgegenstehen. Aber gerade bei so etwas Komplexem wie Kunst, bei dem oftmals viel vom subjektiven Ausdruck und ebenso von subjektiver Wahrnehmung abhängt, ist es hilfreich, wenn man stets im Hinterkopf behält, WIE denn solche subjektiven Aspekte "funktionieren" und was dabei alles eine Rolle spielt.

Als Wissenschaftler verlasse ich mich daher für's Erste lieber auf ein Experiment bzw. dessen Ergebnis, anstatt schon vorher willkürlich über das subjektive "würde" und "könnte" und "vielleicht" zu spekulieren. Und selbst wenn der Fall eintritt, dass meine Reliefs vom Publikum komplett ignoriert werden, habe ich immer noch zumindest einen Nachweis, dass DIESE Form von Faltkunst kein öffentliches Interesse hervorruft und man ggf. besser zunächst einmal andere Formen ausprobiert.

@origami_8:
Das wäre dann der dritte Schritt: Herausfinden, ob jemand Faltreliefs als Kunstwerk kaufen will... :D

@quiet_marverick:
Ich war bei akugamis Antwort bereits kurz darauf eingegangen: In einer linearen Anordnung kann es ggf. passieren, dass der Betrachter (wie akugami ebenfalls bereits angemerkt hat) nach so etwas wie einem System, einer Ordnung, einem Rythmus sucht - was aber gar nicht gewollt ist. Was die Reliefs dagegen eint, ist die variierte Verwendung regelmäßiger, gerader Falten. Manche spielen mit dem gezielten Bruch regelmäßiger Strukturen, andere bilden durch das Faltmuster regelmäßige Oberflächen, die je nach Betrachtungswinkel verschieden erscheinen. Ob eine Auflösung dieses gemeinsamen Kontextes zugunsten einer Einzelpräsentation sinnvoll ist, werde ich wie bereits gesagt mit der Galeristin noch einmal besprechen.

volker

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23

Donnerstag, 29. Mai 2014, 19:23

Heiko, Du bist ja ein kluger Kerl. Und die Idee, erst mal zu "experimentieren" ist interessant. ICH haette versucht, die bestmoegliche Anordnung usw. gleich zu "finden", aber ich gebe zu, dass man damit bisher ungeaehnte Moeglichkeiten von vornherei ausschliesst und das ist evt. wirlich schade. Deshalb wag es mal!
Was Anna so schoen zu bedenken gibt, hat der m.E. immer nooh unterschaetzte Wilhelm Busch so ausgedrueckt:
Oft trifft man wen, der Bilder malt,
nur selten wen, der sie bezahlt.[size=12][/size]

ercebe

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24

Dienstag, 10. Juni 2014, 00:58

Ist Origami Kunst?

[font='Comic Sans MS, sans-serif']Ich habe mit meiner Meinung bisher etwas hinter dem Berg gehalten, denn sie wird vielen nicht gefallen. Also gut![/font]
[font='Comic Sans MS, sans-serif']
[/font]
[font='Comic Sans MS, sans-serif']Für mich ist Origami Kunsthandwerk, nicht mehr und nicht weniger. Ein gefalteter Esel ist nicht mehr als ein gedrechselter Esel, ein röhrender Hirsch bleibt ein röhrender Hirsch, wird er nun gefaltet oder gemalt. Das Falten ist schließlich nur ein Mittel, eine Methode und ist genauso wenig Kunst wie auf einen Marmorblock herumklopfen oder Bronze in eine Form gießen. Ein gereimter Text ist noch lange kein Gedicht, es fehlt etwas Entscheidendes. Kunst kann erst entstehen, wenn man die Beschränkungen und Zwänge der Mittel einhält und überwindet, früher sagte man "meistern". Ein Sonett hat eine strenge Form, aber erst, wenn man die gar nicht mehr merkt beim Lesen, fängt die Kunst an. Ein Gedicht ohne Inhalt ist auch keine Kunst, also fehlt noch etwas. Ich kenne kein Kunstwerk, dass nicht in irgendeiner Form eine Aussage, eine Erkenntnis, eine Kritik an der Welt enthält, allgemein gesprochen.[/font]
[font='Comic Sans MS, sans-serif']
[/font]
[font='Comic Sans MS, sans-serif']"Kunst" ist auch nicht, wenn jemand etwas dafür bezahlt, so gesehen wäre van Gogh kein Künstler, er hat (fast) nichts verkauft. Auch Franz Schubert ist kein Künstler, hat er doch auch kaum was an den Mann gebracht. Umgekehrt kann man mit sog. Volksmusik einiges Geld verdienen, aber niemand kommt auf die Idee, dieses Gesinge als Kunst anzusehen.[/font]
[font='Comic Sans MS, sans-serif']
[/font]
[font='Comic Sans MS, sans-serif']Ich könnte mir Origami als Kunst vorstellen, wenn man es z. B. als Mittel der Verfremdung einsetzt, dann stünde die Falterei nicht im Vordergrund, sondern das Objekt, der Film zum Beispiel.[/font]
[font='Comic Sans MS, sans-serif']
[/font]
[font='Comic Sans MS, sans-serif']Natürlich ist das alles ein weites Feld, und es gibt immer Grenzfälle, Übergänge.[/font]
[font='Comic Sans MS, sans-serif']
[/font]
[font='Comic Sans MS, sans-serif']rcb[/font]

25

Dienstag, 10. Juni 2014, 13:03

Mir persönlich gefällt die Definition aus dem Duden sehr gut.

Womöglich ist Kunst auch nur die subjektive Einordnung einer Sache oder eines Werkes?

Ich halte das für Kunst

oder das
http://www.pflastermalerei.de/

Für andere ist das vielleicht nur Rumgehopse und Straßengekritzel.

Christian
»Christian« hat folgende Dateien angehängt:
  • kunst.png (31,34 kB - 19 mal heruntergeladen - zuletzt: 26. August 2014, 03:41)
  • kunst1.png (36,13 kB - 16 mal heruntergeladen - zuletzt: 26. August 2014, 03:42)

26

Dienstag, 10. Juni 2014, 18:07

Vielen Dank, ercebe, du sprichst wichtige Aspekte an!

Die Frage "Ist Origami Kunst?" würde ich pauschal ebenfalls verneinen. Genauso wenig, wie "Malen" oder "Zeichnen" per se Kunst ist. Das Problem jedoch, vor dem man m.M.n. als ambitionierter Falter steht, ist die Assoziation, die "Falten" aktuell beim Nicht-Fachpublikum weckt: Wenn ich jemandem erzähle, ich male in meiner Freizeit, wird sofort die Brücke zur bildenden Kunst geschlagen und kaum jemand schlussfolgert, ich würde z.B. hobbymäßig Wände anstreichen. Beschreibe ich meine Beschäftigung jedoch als "Falten", wird viel zu oft an bedeutungslose Kindergartenbastelei gedacht. Hier ist konkrete Öffentlichkeitsarbeit nötig!

(Dies vorneweg, um meine Motivation noch einmal zu vergegenwärtigen)

Du verortest nun Origami beim Kunsthandwerk:

KunstHANDWERK sind für mich Goldschmiede, Teppichknüpfer, Glasbläser etc. - also Tätigkeiten, bei denen letztlich Funktionsgegenstände unter künstlerischen Gesichtspunkten hergestellt werden. Soll heißen: Auch, wenn die Funktion ggf. immer weiter in den Hintergrund tritt: Ein Teppich z.B. bleibt an Ende doch immer ein Teppich und kann im Zweifelsfall als solcher benutzt werden - auch wenn dies vermutlich niemand bei einem teuren, handgeknüpften Wandteppich auch nur ansatzweise in Betracht ziehen würde.

Als Beispiele führst du Holzschnitzereien und eines der berühmt-berüchtigten Symbole des gelsenkirchener Barock an: DIESEN wiederum würde ich sogar den Kunsthandwerk-Status absprechen; hier handelt es sich aus meiner Sicht eindeutig um funktionslosen (bzw. sinnfreien) Kitsch.

Kunst hat zwar ebenfalls keine praktische Funktion, (mal abgesehen von evtl. dekorativer Funktion - aber nach DIESEM Maßstab würde es dann wie gesagt quasi GAR KEINE Kunst geben, sondern nur hübsche und hässliche Deko... ;) ) aber Kunst steht "für sich selbst", Kunst vermittelt etwas.

Deiner Formulierung

Zitat

Ich kenne kein Kunstwerk, dass nicht in irgendeiner Form eine Aussage, eine Erkenntnis, eine Kritik an der Welt enthält, allgemein gesprochen.
stimme ich daher voll und ganz zu.

Kunsthandel ist wiederum eine Angelegenheit für sich, auch hier stimme ich dir zu. Trotzdem kann der Kunstmarkt evtl. als Möglichkeit dienen, die "Wertschätzung" für bestimmte Kunstformen herauszufinden. Daher entsprechend mein Ansatz: Faltarbeiten am Kunstmarkt anbieten um herauszufinden, ob und wie diese angenommen werden.

Allgemein stelle ich außerdem noch einmal folgenden Kriterienkatalog zur Diskussion, an dem ich mich aktuell etwas orientiere:

Subjektive Kunstkriterien (in absteigender Relevanz):
  1. Kommunikation: Spricht mich das Werk an? Kann ich in dem Werk eine Botschaft erkennen? (z.B. subjektive Wahrnehmungen/Empfindungen des Künstlers bzgl. seiner Umwelt; Kritik des Künstlers an persönlichen oder allgemeinen Missständen; allgemein Hinweise auf bestimmte Sachverhalte, die der Künstler dem Betrachter mitteilen möchte; etc.)

  2. Individualität: Stellt das Werk eine erkennbar individuelle, in ihrer Form nicht ohne Weiteres (d.h. nicht ohne besonderes Geschick im Umgang mit den zur Schaffung notwendigen Werkzeugen bzw. Materialien) reproduzierbare Leistung dar? Hier spielt der im vorherigen Beitrag bereits genannte Aspekt, "sein Fach zu meistern" eine zentrale Rolle.

  3. Ästhetik: "Gefällt" mir das Werk? Empfinde ich das Werk - ggf. auch frei von irgendwelchen sachlichen bzw. objektiven Überlegungen - als "schön"? Sicherlich das schwächste der drei Kriterien, aber dennoch immer wieder von Bedeutung; vor allem, wenn es um Kunstkauf und -verkauf geht.
Objektive Kunstkriterien (Achtung, konsekutive Abhängigkeit!):
  1. Eine Person fertigt ein Werk an in der Absicht, ein Kunstwerk zu erschaffen.
    (Notwendig, um an dieser Stelle eine Unterscheidung zu Kunsthandwerk und Deko-Objekten/"Kitsch" zu haben)

  2. Eine ANDERE Person nimmt dieses von 1. geschaffene Werk und präsentiert es öffentlich als Kunstwerk. (Stellt es z.B. in ihrer Galerie/Sammlung/etc. aus, gibt ihm allgemein ein öffentliches Forum)

  3. (Mindestens) Eine WEITERE, von 1. und 2. VERSCHIEDENE Person betrachtet das öffentlich präsentierte Werk bewusst als Kunstwerk. (D.h. nicht alles, was z.B. in einer Galerie ausgestellt wird, muss auch zwangsläufig Kunst sein... ;) )

Ein paar Worte erläuternde Worte dazu:

Ich habe es mittlerweile wie bereits angekündigt tatsächlich geschafft, einen Platz in einer kleinen Galerie zu finden. (klein, was die Besucherdichte im Einzugsgebiet angeht (im Vergleich zu Berlin/Hamburg/München) - die Räumlichkeiten selber sind überraschend groß ;) ) Von den Mitausstellern präsentieren hier einige Werke, die ich nach obigen Kriterien voll und ganz als Kunst akzeptiere. Andere gefallen mir zwar persönlich nicht besonders, ich kann aber immer noch den "Kunst-Charakter" erkennen. Und dann gibt es noch Werke, bei denen ich mir denke: "Was soll das?!" Weder spricht mich das Werk in irgendeiner Form an, noch stellt es aus meiner Sicht eine besondere individuelle Leistung dar oder gefällt mir wenigstens persönlich. Für mich sind dies Machwerke, keine Kunstwerke.

Trotzdem werden diese Künstler allesamt vom Kunst"betrieb" (oder auch etwas gehässiger: vom Kunst"zirkus" :whistling: ) bzw. den darin agierenden Personen (Künstlerkollegen, Galeristen, Sammler, (selbsternannte) Kunst"experten", etc.) mehr oder weniger bedingungslos anerkannt. Ein schritt in DIESE Richtung könnte uns evtl. auch nützen: Einfach Papierfalten als ernsthafte Kunst präsentieren, frei von Beschränkungen oder gar Ängsten, es könnte keine "echte" Kunst sein.

Höchstwahrscheinlich wird (wenigstens in absehbarer Zeit) keiner von uns jemals ein Immendorff oder Richter des Papierfaltens werden - aber irgendwo sollten wir doch zumindest anfangen. Deswegen jetzt auch mal ganz dreist und provokant:

Bringen wir unsere Faltungen in die Galerien und Ausstellungsräume!

Wenn andere Künstler den Mut bzw. die Überzeugung besitzen, z.B. Figuren, die bestenfalls wie Grundschulbasteleien aussehen, für mehrere hundert Euro anzubieten, können wir das auch bzw. sogar besser! Und wenn wir uns dazu noch auch nur ETWAS Mühe geben, können wir Papierfalten vllt. in die Nähe der "klassischen", "ordentlichen" Kunstformen wie Malerei, Bildhauerei, Fotografie, etc. bringen.

@Christian:
Tanz ist schon lange als darstellende Kunst etabliert und (vergängliche) Kreidebilder sind wahrscheinlich eine der frühesten und ursprünglichsten bildenden Kunstformen (oder sogar DIE früheste, siehe prähistorische Höhlenmalereien). Die beiden müssen sich ihren Platz in der Kunstwelt nicht mehr erkämpfen - wir schon... :D
Zu den Definitionen: Duden hat sich für mich leider als ernstzunehmende Referenz disqualifiziert, als sie sich entschieden haben, den Plural von LKW mit LKWs (mehrere Lastkraftwagens?!) zu erlauben. :P Und Wikipedia: "Das Gegenteil von 'gut' ist 'gut gemeint'..." ;)

ercebe

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27

Donnerstag, 12. Juni 2014, 00:37

[font='Comic Sans MS, sans-serif']Warigami, deinen Pessimismus über die Verkennung von Origami kann ich nicht teilen. Wenn ich irgendwo verkünde, dass ich Papierfalten mache, fällt sehr häufig das Wort Origami. Die Verbreitung des Wissens darüber ist größer als man denkt. Und es kann auch gar nicht anders sein, denn die vielen Bücher, das viele Papier, das in den Läden angeboten wird, kann nicht nicht durch uns 600 Leutchen aufgekauft werden. Papierpäckchen, die bei ALDI und Lidl zu Festtagen angeboten werden, sind im Nu weg. So viele Kindergärtnerinnen kann es gar geben, als dass das Papier dort versickern könnte. Ich verweise auch auf die doch recht zahlreichen Werbefilme mit Origamimotiven. Wenn die das benutzen, muss es bekannt sein.[/font]
[font='Comic Sans MS, sans-serif']
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[font='Comic Sans MS, sans-serif']Wenn ich Veranstaltungen mache, stelle ich immer mindestens ein Dutzend Faltobjekte aus, im berliner Technikmuseum habe ich eine komplette Vitrine in der Papierabteilung bestückt. Die berliner Gruppe macht Anstrengungen, die Papierfaltkunst unter die Leute zu bringen. Natürlich sind wir noch nicht bei allen 3 Millionen durch, aber wir arbeiten dran. Es bleibt auch nicht aus, dass hin und wieder eine Figur verkauft wird.[/font]
[font='Comic Sans MS, sans-serif']
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[font='Comic Sans MS, sans-serif']Warigami, du darfst den Duden ruhig wieder ernst nehmen: der Plural einer Abkürzung endet nun mal auf s, "die LPGs der DDR", "die umsatzstärksten AGs der BRD", "die AGBs der Fernabsatzfirmen", "30 Pdfs sind im Ordner", der Duden dokumentiert den Sprachgebrauch, er erlaubt nicht.[/font]
[font='Comic Sans MS, sans-serif']
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[font='Comic Sans MS, sans-serif']Herrzebe[/font]

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Freitag, 13. Juni 2014, 00:30

@ercebe:
Dann haben wir bisher offenbar überraschend unterschiedliche Erfahrungen gemacht, wenn es in Gesprächen mit Nicht-Faltern um den Begriff Origami ging. Zwar bin ich irgendwie schon erleichtert, dass zumindest dein Umfeld offenere, modernere Ansichten und Zugänge zum Thema Papierfalten hat, aber als Beispiel für die Ursache meines unerwarteten Pessimismus führe ich einfach mal eine Begegnung in einer Galerie an, die ich vor Kurzem hatte:

Im Gespräch mit einer Frau, die sowohl von sich selber (was natürlich noch nichts heißen muss... ;) ) als auch von unabhängigen anderen als ausgewiesene Kunst-Kennerin bezeichnet wird, kam von ihr etwa folgende Aussage: "Origami? Das sind doch diese Friedens-Kraniche, oder? Die haben wir früher in der Anti-AKW-Bewegung immer mit den Kindern gebastelt!"

So viel dazu... :|

Dass außerdem Faltpapier mehr und mehr den Weg in die Sortimente der Kaufhäuser, Supermärkte und Discounter findet, mag für die allgemeine Verbreitung von Origami ebenfalls hilfreich sein - Falten als Kunstform fördert dies leider nicht.

"Origami in der Werbung" ist wiederum ein weites (und bisweilen ziemlich ernüchterndes :( ) Feld: Ich weiß nicht, ob oder in welchem Umfang du dort bereits eigene Erfahrungen gesammelt hast; ich habe bis jetzt noch keine Aufträge aus der Werbebranche gehabt, kenne aber Berichte aus erster Hand. Dazu sei gesagt: Aus falterischer Sicht hat "Origami in der Werbung" leider häufig quasi nichts mehr mit Faltkunst, sondern nur noch mit handwerklicher Bastelei zu tun... X(

Mal sehen, vllt. finden wir ja Wege und Möglichkeiten, ein bisschen von dem dich und deine Mitfalter umgebenden "weltoffenen Hauptstadtflair" in die Provinzen bringen... :D

PS: Mir ist schon klar, dass der Duden keine Gebots- und Verbotssammlung der deutschen Sprache ist, und letztlich auch nur (mit entsprechend zeitlichem Versatz) widerspiegelt, "wie Deutschland gerade spricht" - aber mögen muss ich ihn (trotz der (im Gegensatz zu z.B. Wikipedia) bisweilen fachkräftig recherchierten und redigierten Einträge) dafür dennoch nicht. :P

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Samstag, 14. Juni 2014, 22:20

Hm, wenn ich mir diesen Faden so durchlese, komme ich mir wie ein Ketzer vor... ich falte selbst, ich mag auch viele Figuren, das Falten macht mir Freude und ebenso das Gestalten des Papiers vor dem Falten und die weitere Verwendung nach dem Falten. Aber als "Kunst" würde ich die einzelnen Figuren nur selten ansehen. Sie sind auf gute Weise nett, interessant anzuschauen, manchmal verblüffend, hin und wieder auch langweilig, aber die wenigsten lösen darüber hinaus ein Gefühl bei mir aus. Dadurch fallen die meisten für mich in die Kategorie "einfarbiges Quadrat auf Leinwand". Was in meinen Augen auch keine Kunst, sondern eine Farbtafel darstellt.

Nur sehr wenige Figuren tragen mehr in sich als geknicktes Papier und lösen beim Betrachter etwas aus, transportieren eine Geschichte, so wie es beispielsweise quiet mavericks oder gachepapiers Figuren tun.

Die meisten Origamifiguren haben daher meinem persönlichen Empfinden nach eher etwas mit Fleißarbeit als mit Kunst zu tun.

Eme

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30

Sonntag, 15. Juni 2014, 08:57

Du sprichst einen wichtigen Aspekt an: Kunst liegt immer auch im Auge des Betrachters. Warigami hat bei seinem Galeristen die Anerkennung gefunden, meiner Ansicht nach völlig berechtigt. Ob jeder Falter sich als Künstler sieht und als solcher gesehen werden möchte, steht auf einem anderen Blatt. Und noch schwieriger wird es, wenn man von seiner Kunst leben will. Aber das ist ein weites Feld und diese Diskussion sollte nicht ausufern ;(
Elke

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